Mainz in Rheinhessen

Das Mainzer Heiligkreuz-Stift

Ruine des Heiligkreuz-Stiftes von J.C.A. Dillenius

Das Heiligkreuz-Stift, früher St. Maria im Felde, ein ehemaliges Kollegiatsstift, lag zwischen Mainz und Hechtsheim mitten im Feld an der Stelle, die heute noch "Am Heiligkreuz" heißt. Eine Marienkapelle wird bereits 765 und 808 erwähnt. Um sie von den anderen Mainzer Marienkirchen zu unterscheiden, wurde sie "Maria im Felde" genannt.
Erzbischof Erkenbold erhob das Gotteshaus um 1011 zu einer Stiftskirche und setzte Geistliche ein, die den Gottesdienst und das Chorgebet verrichten sollten. Über Güterschenkungen verschaffte er ihnen ein entsprechendes Einkommen. Erzbischof Peter (1306-1320) ließ eine größere Kirche errichten und legte persönlich den Grundstein. In der Zeit des Neubaus findet sich neben der alten Bezeichnung "Maria im Felde" zum ersten Mal der Name "Kreuzstift" bzw. "Heiligkreuz".
1382/83 entweihte ein Mann namens Schelkropp, der im Wirtshaus zur Blume in der Vorstadt Filzbach sein Geld verspielt hatte, die Kirche, indem er das Kreuz verstümmelte und dem Christus mit seinem Schwert das Haupt abschlug. Der Missetäter wurde ergriffen und abgeurteilt. Das Kreuz aber durfte nicht mehr in dem Kapellchen bleiben, sondern wurde in feierlicher Prozession in die benachbarte Liebfrauenkirche getragen.
Vielleicht stammt der Name Heiligkreuz von zwei Wandgemälden, die sich in der Kirche bzw. in der Stadt befanden. Ein Bild befand sich im Gewölbe der Kirche und ging mit derselben bei der "brandenburgischen Zerstörung" vom Jahr 1552 zugrunde. Das andere Bild war zwischen dem Holz- und Bockstor an die Stadtmauer angebracht. Es war ungefähr 10 x 10 Fuß im Quadrat groß und wurde am oberen Rand durch ein kleines Dach gegen den Regen geschützt. Es stellte ein Kreuz dar, das an den Segeln eines den Strom aufwärts fahrenden Schiffes hing. Das Schiff soll hier am Ufer angelegt haben und dann ohne Führer auf einem Wagen mit zwei Ochsen bis zur Marienkirche auf dem Feld gefahren worden sein.
In der Mainzer Stiftsfehde, die Adolf II. von Nassau gegen Diether von Isenburg und dessen Helfer, den Pfalzgrafen Friedrich den Siegreichen, im Jahr 1460 führte, hatten Friedrichs Truppen die Wohnungen der Stiftsherren in Brand gesetzt. Die Stiftsherren konnten die völlige Verwüstung des Stiftes verhindern, indem sie den Soldaten eine große Geldsumme bezahlten. Im Jahr 1518 wurde die Kirche wieder hergestellt, aber bereits 1552 gingen die Stiftsgebäude während des Krieges mit Markgraf Albrecht von Brandenburg in Flammen auf. Die Kreuzstiftsherren flüchteten mit dem Kreuz nach St. Ignaz in Mainz und zogen später in die an der Rheinstraße gelegene Heiliggeist-Kirche um. Dort hielten sie ihren Gottesdienst so lange ab, bis ihre Kirche 1573 wieder notdürftig wiederhergestellt war. Ausbauten erfuhr die Stiftskirche im Jahr 1630. Doch das Stift erlangte nie wieder den Glanz früherer Jahrhunderte.
Kurz vor den französischen Revolutionskriegen wurde die Kirche abermals erneuert und mit neuen Altären versehen. Beim Rückzug der Franzosen aus der Stadt Mainz in der Nacht auf den 10. Juni 1793 gingen die Kirche und die Nachbargebäude in Flammen auf. Die Ruinen wurden am 2.8.1799 von den Franzosen gesprengt. Das Stift, das von Mauern und Gräben umgeben und durch zwei Tore verschlossen war, lag bis zum Jahr 1806 verwüstet darnieder. Damals versteigerte die französische Domänenverwaltung das Grundstück für 800 Franken. Die Steine wurden zum Bau der Straße verwendet. So endete die Geschichte des tausendjährigen Gotteshauses.
In der letzten Zeit wohnten die Stiftsherren in der Stadt und feierten ihren Gottesdienst in der Pfarrkirche zu St. Christoph. Lediglich der Pfarrer, der Glöckner und ein Wirt wohnten bei der Kirche. Das Gnadenkreuz wurde im Kriegsfall in die St. Christophskirche zu Mainz in Sicherheit gebracht; Nach überstandener Gefahr wurde es in feierlicher Prozession zurück in die Hl. Kreuzkirche getragen. 1638 nahmen Kurfürsten Anselm Kasimir und 1698 Lothar Franz an der Prozession teil.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Neudruck. Würzburg 1985.
  • Falck, Ludwig: Das Stift St. Maria im Feld bei Hechtsheim (Heilig Kreuz). In: Archäologische Ortsbetrachtungen Bd. 7, S. 34-64.
  • Schmid, Reinhard: Mainz - Kloster Maria im Felde - Heilig Kreuz. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-kloster-maria-im-felde-heilig-kreuz.html>

Aktualisiert am: 23.09.2014