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Glossar: Buchstabe A

Abakus

Seit der Antike verwendetes Rechenbrett, mit dem durch Verschieben frei beweglicher Rechensteine addiert und subtrahiert wurde.

1.) ursprünglich jede viereckige Platte, speziell die quadratische Säulendeckplatte, die den Übergang vom Kapitell zum Architrav bildet. Bei der dorischen Säulenordnung verlaufen die Seitenkanten des Abakus senkrecht zur Bodenfläche, bei der ionischen und korinthischen leicht geschweift.

2.) Seit der Antike verwendetes Rechenbrett, mit dem durch Verschieben frei beweglicher Rechensteine addiert und subtrahiert wurde. Im Mittelalter dienten die Rechenbretter vor allem zum Umrechnen unterschiedlicher Maß- und Münzsysteme. Europäer berichteten im 20. Jahrhundert, dass Händler in ostasiatischen Ländern mit dem Abakus rascher Währungen umrechneten, als ihnen dies mit dem Taschenrechner möglich war.

abgegangene Burg

Eine verschwundene, nicht mehr bestehende Burg.

Unter eine "abgegangenen Burg" versteht man eine nicht mehr existente Burg, von der nur noch eine schriftliche oder mündliche Überlieferung kündet. Auch wenn noch geringe Geländespuren von der ehemaligen Burg zeugen, kann man durchaus von "abgegangen" sprechen.

Ablass

Definition: Erlass von Sündenstrafen (Begriff aus der Geschichte der katholischen Kirche)

Seit dem 6. Jahrhundert handelt es sich dabei um den Nachlass öffentlicher Kirchenbußen in der katholischen Kirche.
Diese Bußpraxis erweiterte sich im 11. Jahrhundert, sodass die Gläubigen unter gewissen Voraussetzungen die Vergebung ihrer begangenen Sünden, bei vorangehender Bußgesinnung, erlangen konnten. Dabei musste der bereuende Sünder ein Bußwerk ableisten, bei welchem es sich zu dieser Zeit meist um eine gemeinnützige Tätigkeit (z.B. Beitrag zum Bau einer Kirche, Teilnahme an einem Kreuzzug) handelte, die zur Tilgung zeitlicher Sündenstrafen diente.
Vor allem im Spätmittelalter wurde der Ablass allerdings in Form von Geld und Almosenspenden erlangt. Hieraus entstand ein reger Missbrauch von kirchlicher Seite aus, da der Ablass nun als Geldquelle zweckentfremdet und auch theologisch missdeutet wurde. Es entwickelte sich ein regelrechter Ablasshandel.
Dieser wurde zu einem Hauptkritikpunkt an der katholischen Kirche während der Reformation im 15. Jahrhundert, welche den Ablass generell ablehnte.

Aborterker

Toilette einer mittelalterlichen Befestigung.

In den Quellen auch als "Haymlichkeit" oder "haymlich gemach" bezeichnet. Abort(erker) sind typisch für die mittelalterliche Burg oder Wohntürme, meist in Form eines Erkers auf Konsolen über dem Graben oder einer abgelegenen Stelle der Burgmauer.

Absage (Fehdewesen)

Begriff aus dem Fehdewesen.

Die Fehde musste durch eine förmliche Kriegserklärung, die sog. Absage oder Auf- bzw. Widersage, eröffnet werden.

Abschließung des Ritterstandes

Die Ritterschaft als Geburtsstand.

Um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert wurde die Ritterschaft zu einem Geburtsstand. Nun konnte nur noch Ritter werden, wer von einem Ritter abstammte, also ritterbürtig war. Dieser Vorgang wird als "Abschließung des Ritterstandes" bezeichnet.

Abschnittsbefestigung

Burganlage mit mehreren unabhängig voneinander zu verteidigenden Abschnitten oder Verteidigungslinien.

Abschnittsbefestigungen waren wegen des großen Geländebedarfes und des enormen Bauaufwandes im mittelalterlichen deutschen Burgenbau nicht allzu häufig zu finden.

Absolutismus

Staatsform, die einem Monarchen den absoluten Führungs- und Machtanspruch zugesteht.

Der absolutistische Herrscher verfügte theoretisch über eine unumschränkte Machtfülle in Gesetzgebung und Verwaltung. Er ist bei der Ausübung seiner Herrschaft nicht durch Mitwirkungs- oder Kontrollbefugnisse anderer Organe beschränkt und somit den bestehenden Gesetzen nicht unterworfen. Die Entstehung einer absoluten Herrschaft setzt die Anschauung voraus, dass der Herrscher eine göttliche Weihe besitzt. Im engeren Sinne wird unter Absolutismus die bestimmende europäische Staatsform des 17. und 18. Jahrhunderts verstanden.

Abt (Klostervorsteher)

Vorsteher einer klösterlichen oder klosterähnlichen Gemeinschaft.

Der Abt (von aramäisch ,Abba' = Vater. lat. Abbas) ist der Vorsteher einer klösterlichen oder klosterähnlichen Gemeinschaft (Abtei). Ihren klassischen Ausdruck findet die monstische Vorstellung von Abt in den Texten der Regel Benedikts. Der Abt ist Vater seiner geistlichen Söhne, der Hirt seiner Herde, der Lehrer in der Schule der geistlichen Kunst. Die Regeln gestehen ihm weitgehende Führungs- und Leitungsvollmachten zu, binden ihn in wichtigen Entscheidungen aber an den Rat der Brüder und bürden ihm die volle Verantwortung für das Wohl und Heil seiner Gemeinschaft auf. Der von der Klostergemeinschaft gewählte Abt erhält durch den Bischof die Abtsweihe. Einem Nonnenkloster steht entsprechend eine Äbtissin vor. 

(Text: Stefan Grathoff)

Abtei

Klöster, die von einem Abt geleitet wurden, werden seit dem 11. Jahrhundert Abteien genannt.

Benediktiner- und Zisterzienserklöster, deren Gemeinschaften mehr als zwölf Mönche hatten, wurden traditionellerweise zu Abteien erhoben. Durch das Gelübde der Beständigkeit (stabilitas) sind die Mönche an die Abtei gebunden. Die Mönche ihrerseits wählen den Abt, ihren Vorsteher. Eine Abtei ist "exemt", d. h. in sich selbstständig, sie untersteht also nicht dem Bischof. Der Begriff bezeichnet gleichermaßen die Personengemeinschaft, die Wohneinheit und den Besitz.

Abzugsgeld

Abgabe an den Herrn bei Wegzug.

Abgabe (Zehnter Pfennig) eines Hörigen, Erbuntertanen und dergleichen an den Grundherren, der ihm im Gegenzug dann den Umzug in den Herrschaftsbereich eines anderen Herrn erlaubte (Gewährung des Zugrechts). Daraufhin erhielt er einen Abzugsschein. (Vgl. auch Anzugsgeld).
Vgl. dazu Anzugsgeld.

Acht (Strafe)

Strafe bei schweren Missetaten.

Die Acht wurde nach germanischem Recht bei schweren Missetaten und im Ungehorsamsfall verhängt, wodurch der Geächtete friedlos und rechtlos wurde, als wolfsfrei, vogelfrei, unheilig galt und von jedermann bußlos getötet werden konnte. Wer ihn aufnahm oder verpflegte, verfiel selbst der Acht. Sein Hab und Gut wurde beschlagnahmt. Die Acht war ursprünglich unsühnbar, doch wurde schon früh zwischen einer sühnbaren und einer unsühnbaren Acht unterschieden. Doch auch die letztere, die bei schweren Friedensbrüchen verhängt wurde, konnte später durch eine Buße abgelöst werden. In der Regel galt die Acht nur in einem bestimmten Bezirk, konnte aber auf das ganze Land ausgedehnt werden (Landesacht). Die Reichsacht wurde für das gesamte Reichsgebiet verhängt, Blieb jemand "Jahr und Tag" in der Reichsacht, so verfiel er der eigentlichen Acht, jetzt Oberacht (Aberacht) genannt. Sie musste durch besondere Sentenz verhängt werden und war wie die Reichsacht ein Reservatrecht des Königs. Seit 1495 konnte auch das Reichskammergericht die Reichsacht verhängen.

Adel

Aufgrund ihrer Abstammung und ihres Ansehens bevorrechtete Bevölkerungsschicht.

Der größte Teil des mittelalterlichen Adels entstammt jener Schicht vornehmer Lehns- und Dienstleute, die im 9. und 10. Jahrhundert im unmittelbaren Umfeld des fränkischen Königtums lebten.

Im Hoch- und Spätmittelalter (ca. 1000 - 1500) gliederte sich die (feudale) Adelsgesellschaft in Fürsten, Grafen, (Frei-)Herren, Ritter und (Edel)Knechte. An der Spitze der Adelshierarchie stand der König. Unter ihm bildeten die Fürsten, Grafen und Freiherren den freien Altadel. Unterhalb des Altadels standen die Ritter und Edelknechte (Ritterbürtigen) sowie die unfreien Dienstleute (Ministerialen). Diese schlossen sich um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zum Stand der Niederadligen zusammen. Später unter König Karl IV. (1346-1378) war es auch Nicht-Adligen möglich, ihren gesellschaftlichen Rang zu verbessern, denn der König machte häufig Gebrauch von seinem Recht, verdiente Männer in den Adelsstand zu erheben. Er verbriefte ihnen die neue Stellung, indem er ihnen eine entsprechende Urkunde ausstellte, weshalb man diese Neuadligen als Briefadel bezeichnet.

Die sog. Heerschildordnung legte im Kern den Rang der einzelnen Adelsgruppen (Heerschild) fest und regelte vor allem, wer von wem Lehen annehmen durfte.

Die Heerschildordnung teilte den Adel in sieben Heerschilde: Den ersten bildete der König, den zweiten die geistlichen Reichsfürsten ( Erzbischöfe , Bischöfe, Äbte), den dritten die weltlichen Fürsten (Herzöge, Mark-, Land- und Pfalzgrafen) und den vierten die Grafen und (Frei-)Herren. Die unteren Heerschilde (5.-7.) bildeten, hier sind sich die Quellen in der Klassifizierung uneins, die Ministerialen, Schöffenbarfreien und übrigen Ritterbürtigen. Alle anderen Freien (etwa Geistliche und Frauen) waren heerschildlos.

Generell galt, wer ein Lehen von einem rangtieferen Herrn akzeptierte, verlor seine Standeszugehörigkeit. Wenn beispielsweise ein Mitglied des 3. Schildes ein Lehen von einem Herrn des 4. Schildes erhielt, wurde er sofort diesem niedrigeren Schild zugeordnet.

Siehe auch: Kaiser, König, Fürst, Herzog, Pfalzgraf, Markgraf, Landgraf, Erzbischof, Graf, Abt, Freiherr, Herren, Ritter, Ministerialen

(Text: Stefan Grathoff)

Adjunkt

Von der Regierung ernannter Gehilfe und Vertreter.

In Frankreich seit 1800 dem Maire (Bürgermeister) beigegebener, von der Regierung ernannter Gehilfe und Vertreter. 1807 und in den folgenden Jahren wurden mit dem Maire auch die Adjunkten in einem Teil Deutschlands eingeführt und blieben teilweise auch nach 1814 mit wesentlich gleichen Befugnissen bestehen. Der Ausdruck Adjunkt hat sich nur in der Pfalz für den (seit 1869 gewählten) Beigeordneten erhalten.

Adlerzange

Vorrichtung zum Aufziehen von Quadern.

Seit dem 11. Jahrhundert am Bau verwendete Vorrichtung zum Aufziehen von Quadern. (siehe auch Baukräne)

Aehrenmauerwerk

Gemusterter Mauerverband.

Bei den Römern, hauptsächlich aber im frühen Mittelalter üblicher Mauerverband, bei dem die Steinlagen fischgrätförmig gelegt sind. Auch im Mauerwerk von Burgen wurden vereinzelt Steine in Ähren- oder Fischgrätmuster (Ährenmauerwerk) verarbeitet.

Aes

Römische Münze.

Das Aes gehörte zu den ersten Münzen im alten Rom. Die Kupfermünze wurde z.T. mit Blei und Zinn legiert. Sie wurde vom Staat herausgegeben.
Das Aes grave (lateinisch, »Schwerbronze«) ist die Bezeichnung für gegossene große italienische und frühe runde römische Bronzemünzen, deren Einheit der As (römisches Pfund = 273 g) war. Das As zählte 12 unciae. 2 Ass ergaben 1 dupondius.
Die erste Ausgabe erfolgte wahrscheinlich 269 v. Chr. A. weist bereits eine Wertbezeichnung auf und ersetzt die italischen Kupferwährungen Aes rude und Aes signatum. Die Wertbezeichnung »I« bedeutet 1 As.

Afterlehen

Vom Lehnsmann an einen Aftervasallen weitergegebenes Lehen.

Von einem Lehensmann an einen Dritte ausgegebenes Lehen. Letzterer wurde dann Unter(lehns-)herr, Afterlehnsherr oder Zwischen(lehns-)herr genannt. Lehen durften im Allgemeinen ohne Einwilligung des Oberlehensherrn afterverlehnt werden.

Agnaten

Männliche Verwandten.

Auch Schwertmagen, Speermagen und Magen genannt. Nach germanischem Recht die männlichen Verwandten des Mannesstammes. Nach langobardischem Lehensrecht waren die Agnaten Seitenverwandte.

Ahnenprobe

Urkundlich belegter Abstammungsnachweis.

Urkundlich belegter Abstammungsnachweis von einer bestimmten Anzahl meist adliger Ahnen, bestehend aus dem Nachweis der Ritterbürtigkeit der einzelnen Vorfahren (Ritterprobe) und der Rechtmäßigkeit der betroffenen Ehen (Filiationsprobe).
Ahnenproben lassen sich in Deutschland seit dem 12./13. Jahrhundert nachweisen. So legte z. B. der "Sachsenspiegel" fest, dass die Zugehörigkeit zu einem Stand den Nachweis von vier Ahnen erfordere. Ahnenproben waren Voraussetzung eines Adelsbeweises, für die Fähigkeit zum gerichtlichen Zweikampf, zur Aufnahme in Orden, Stifte oder Domkapitel, für die Zulassung zu Turnieren, sowie für die Landtagsfähigkeit und zur Erlangung bestimmter Hofämter. Die Zahl der geforderten Ahnen war örtlich verschieden und hatte bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts eher steigende Tendenz. Sie schwankte zwischen 4 und 32. Als Ahnenprobe diente zumeist eine Ahnentafel, in welcher sämtliche zu beweisenden Ahnen mit Vor- und Zunamen sowie dem Wappen aufgeführt und die Filiation aus einer rechtmäßigen Ehe urkundlich nachgewiesen sein musste. Mit der Säkularisation der Kirchengüter zu Beginn des 19. Jahrhunderts verloren die Ahnenproben ihre rechtliche Bedeutung.

Akanthus

Bauplastisches Motiv besonders am Kapitell.

Akanthus, oft irrtümlich mit Diestel oder Bärenklau übersetzter Name einer Pflanze, deren schöne Blattform in der Bauplastik, bes. beim korinthischen Kapitell seit etwa 420 v. Christi und bei dessen römischen Abwandlungen (z.B. Kompositkapitell) verwendet wird. Die Romanik stilisiert den Akanthus oft stark um, Renaissance und Barock nehmen ihn in seiner antiken Form wieder auf.

Akzise

Bezeichung für eine mittelalterliche städtische Steuer.

Seit dem 13. Jahrhundert Bezeichnung für Steuern und Zölle aller Art, vor allem für städtische Verbrauchssteuern, die meist als Ungeld bezeichnet wurden.

Alant

Heilpflanze und Würzmittel

Alant (Inula), auch unter den Bezeichnungen Darmkraut, Edelwurz, Altkraut, Helenenkraut und Odinskopf bekannt, war eine wild wachsende oder in Gärten kultivierte Heilpflanze, deren Wurzel seit der Antike bei Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen, Verdauungsbeschwerden sowie Harn- und Hautleiden verabreicht wurde. Ebenso lange diente Alant als Würzmittel für Speisen und Wein (Alantwein). Die in Urin gebeizte und zerstoßene Alantwurzel soll nach Mattuschka mit Potasche und Heidelbeeren vermengt einen blauen Farbstoff ergeben haben.

Quellen: Hassler, Flora s.v. alant; Zimmermann, Natur-Lexikon s.v.alant; Steffens, Wörterbuch S. 37; Schubert, Essen S. 204; Mattuschka, Flora 2, S. 266; P. Dilg: Art. Alant. In: LexMA I, Sp. 267; Marzell, Geschichte. S. 262; Hildegard von Bingen, Physica, Liber Primus. De plantis, Capitulum XCV s.v. Alant.

Albus

Mittelalterliche Münzeinheit.

Der Albus war eine seit Mitte des 14. Jahrhunderts im Rheinland gängige Münze. Die Pfennigmünze hatte einen höheren Silbergehalt als andere minderwertige Münzen. Ihren Namen leitete die helle Münze vom denarus albus (Weißpfennig) ab. Auf dem Avers des Albus sind meist Heilige oder Christusdarstellungen und auf dem Revers Wappenschilde in Pass-Formen zu sehen. Obwohl der Albus seit den Münzverträgen der rheinischen Kurfürsten ab 1357 als für alle geltende Vertragsmünze eingeführt wurde, fand der Albus im Mainzer Kaufhaus ebenso wie der Gulden nur selten Verwendung.

Quelle: Niemann, Handbuch S. 235; Noback, Taschenbuch 1, S 212; P. Berghaus: Art. Albus. In: LexMA I, Sp. 137.

Alkoven

Bettnische.

Von arab. al kubba, "Höhlung", "Nische". In der maurischen Architektur eine als Bettstatt dienende überwölbte Mauernische. Davon abgeleitet, im Abendland ein fensterloser Nebenraum, der zumeist als Schlafgemach Verwendung findet.

Allianzwappen

Verbindung zweier Wappenschilde.

Ehewappen, Heiratswappen. Verbindung zweier Wappenschilde, z. B. von Ehepaaren, bei denen beide Partner über ein Familienwappen verfügen. Die Bezeichnung Allianzwappen erfährt heute eine Neubelebung durch die Gepflogenheit, Partnerstädte zu suchen und die Wappen beider Städte gemeinsam wiederzugeben.

Allmende

Gemeisnchaftlicher Besitz einer Siedlungsgeminschaft.

Nach älterer umstrittener Auffassung bei den Germanen das Gesamtvermögen eines Dorfes bzw. in späterer Zeit auch der Stadt, soweit es nach der Verteilung zu Sondereigentum übrig blieb und das von der Markgenossenschaft gemeinsam genutzte Land, die gemeine Mark bildete. Gehörte das Land einem Grundherrn, so blieb die Allmende entweder in seinem Besitz und die Bauern waren nur nutzungsberechtigt oder er war Glied er Markgenossenschaft.

Im Laufe der Zeit verengerte sich der Begriff Allmende teils auf das Weideland oder auch auf die aus der Weide entstandenen Äcker, teils erweiterte er sich auf alles, was in gemeiner Nutzung steht (z.B. Wege). Als zur Allmende gehörig (Markgut) wurden manchmal auch Sachen betrachtet, die sich auf privatem Grund und Boden befanden (z.B. Eichen und Buchen). Da die Allmende schon frühzeitig meist nur noch aus Wald bestand, so wurden häufig Ausdrücke, die an sich nur diesen bezeichneten (z.B. gemeiner Wald, Markholz, Waldmark) für die Allmende überhaupt gebraucht. Von diesen Waldungen wurden seit dem 13. Jahrhundert große Teile in Forste verwandelt.

Heute bedeutet Allmende die im Eigentum von Gemeinden oder ähnlichen Korporationen befindlichen Liegenschaften, soweit sie von den Mitgliedern genutzt werden.

Allod

Eigengut (im Gegensatz besonders zum Lehen).

Im Gebiet fränkischen Rechts ursprünglich die Erbschaft, dann das Erbgut im Gegensatz zum Kaufgut, schließlich das Eigentum im Gegensatz besonders zum Lehen.

Almanach

Kalender(tafel) mit Informationen über Feiertage, Feste und Markttage.

Ursprünglich Bezeichnung für kalenderähnliche Tafeln mehrerer Jahre, mit astronomischen oder astrologischen Angaben, wie sie schon von den Römern verwendet wurden. Seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts gedruckte astronomische Kalender, mit Informationen über Feiertage, Feste und Markttage, manchmal auch mit Horoskopen. Seit dem 18. Jahrhundert meist mit Abbildungen versehenes kalendarisch angelegtes Jahrbuch.

Alraune

Rübenähnliche Wurzel mit symbolisch-magischer Kraft.

Von althochdt. alb, "Geistwesen", und althochdt. runen, "flüstern", "raunen". Bezeichnung für eine rübenähnliche Wurzel, deren Wuchs der Gestalt eines kleinen Menschen ähnelt. Im 16./17. Jahrhundert vermutete man, dass solche Wurzeln von Pflanzen stammten, die unter dem Galgen wuchsen und mit dem Urin oder dem Sperma eines Gehenkten in Berührung gekommen seien. Die Wurzeln hießen daher im Volksmund auch "Galgenmännlein", und man sagte ihnen eine glücksbringende und aphrodisische Wirkung nach. Die begehrten Alraunen sind die Wurzeln des im Mittelmeerraum heimischen Nachtschattengewächses. Die Alraune ist das Symbol der Zauberin Kirke

Altan

Balkonartigen Anbau (Söller).

Von lat. altus, "hoch". Bezeichnung für einen balkonartigen Anbau. Zum Unterschied vom Balkon wird der Altan von einem darunter liegenden Gebäudeteil oder von Säulen, Konsolen bzw. Pfeilern getragen. Er ist mit oder ohne Dach zu finden. (Synonym für Söller).

Altar

Aufsatz auf dem Opfertisch.

Von lat. altaria, "Aufsatz auf dem Opfertisch", später abgeleitet von lat. altus, "hochragend", "erhaben", "geheim". 
Die erste christliche Ausführung des Altars war tischförmig, später auch block-, kasten- oder sarkophagförmig. Der Altar besteht gewöhnlich aus dem Altarblock (Stipes = fester Pfahl, Holzblock), auf der die Altarplatte (Mensa = Tisch) aufliegt. Die Verkleidung des Stipes wird als Antependium bezeichnet, die Rückseite oft auch als Dorsale. In weiterer Folge ging der rückwärtige Altarabschluss meist in einen Aufbau (Retabel) über. Diese sich nach oben fortsetzenden Altarabschlüsse waren seit dem 4. Jahrhundert oft als Reliquienschreine ausgebildet und wurden im oberen Teil ab dem Mittelalter mit Tafelbildern geschmückt. In der Spätgotik fanden mehrteilige Ausführungen Verwendung, und es entstanden die so genannten Flügel- oder Wandelaltäre, die vom 14. bis zum 16. Jahrhundert vorkommen. Bei diesem mit geschnitzten oder gemalten Bildern geschmücktem Altaraufsatz sind an den mittleren, feststehenden Altarschrein bewegliche Seitenflügel angesetzt. Frühe Altare wurden bisweilen von Baldachinen überdacht (Ziborium).

(Text: Stefan Grathoff)

Altarnische (Burg)

Zimmernische besonders im "Großen Saal" im Palas.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Burgkapelle.

Altdeutscher Stil

Sammelname für einen in der 2. Hälfte 19. Jahrhundert üblichen historisierenden Möbelstil.

In der Romantik in Deutschland übliche Bezeichnung für Werke der Bildenden Kunst, die aus dem Mittelalter oder der Renaissance stammen, vornehmlich aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert. Besonders die Theoretiker des Klassizismus verwendeten den Ausdruck statt der Bezeichnung "gotisch", da dieses Wort ursprünglich mit "barbarisch" und "geschmacklos" gleichgesetzt wurde.
Sammelname für einen in der 2. Hälfte 19. Jahrhundert üblichen historisierenden Möbelstil. Die so genannten altdeutschen Möbel sind eine Mischung aus Elementen der Spätgotik, der Renaissance und des Barock. Altdeutsche Kästen weisen vielfach einen Architekturdekor auf und haben häufig in einfachem Wund gedrechselte Säulen sowie vollplastische, kreiselförmig gedrechselte Zierstücke, die an erhöhten Teilen als Bekrönung fungieren. Typisch sind auch die als Relief gestalteten aufgesetzten Dekorstücke in neobarocker Manier.

Amethyst

Schmuckstein.

Von griech. amethystos, "dem Rausche widerstehend". Der Schmuckstein ist eine Abart des Quarzes. Der Amethyst galt von der Antike bis zum Mittelalter als Mittel gegen Gift und gegen die Trunkenheit. Da der Stein die Farbe des "bescheidenen" Veilchens hat, stellt er in der christlichen Symbolsprache ein Sinnbild der Demut dar und wurde bereits im Mittelalter in Bischofsringen gefasst.

Ancien régime

Zeit der Bourbonenherrschaft vor 1789.

Französisch: "alte Regierungsform". Der Terminus wird meist für die Zeit der Bourbonenherrschaft vor der Französischen Revolution (1789) verwendet, manchmal auch allgemein für die europäische Gesellschaftsordnung von der Mitte des 17. bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Anerbenrecht

Form des bäuerlichen Erbrechtes.

Bäuerliches Erbrecht, das darauf zielte, den Hof auf einen von mehreren Erben (Anerben) übergehen zu lassen. Das ältere Aanerbenrecht (bis 1800) schloss ein Testament über den Hof aus; das jüngere (nach 1800) trat ein, wenn der Bauer keinen Hoferben ausgewählt hatte. Die übrigen Erben erhielten eine angemessene Abfindung.

Angelstein

Besonders geformter Stein zur Aufnahme der Torangel.

Aus der Mauer vorkragender oder in der Laibung des Tores eingefügter Stein mit einem Loch oder einer Pfanne zur Aufnahme der Torangel.

Anglikanische Kirche

Offizeille Kirche Englands.

Die Anglikanische Kirche (v. lat.: anglicanus = englisch), offiziell Episcopal Church of England, entstand unter König Heinrich VIII. Sie vereinigt in ihrer Tradition evangelische und römisch-katholische Glaubenselemente, wobei die römisch-katholische Tradition im Ritual etwas dominanter ist, aber die evangelische in der Theologie. Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Reformation.

Angstloch

Deckenöffnung im Untergeschoss des Bergfrieds.

Kreisförmige oder quadratische Öffnung, die als senkrechter Einstieg in die unteren Turmräume diente. Oft als Burggefängnis angesehen diente der Raum eher als Vorratslager. Mangels Treppen oder Leitern mussten die Gefangenen abgeseilt werden.

Ankerbalken

Holzbalken zur Versteifung bzw. "Verankerung" des Mauerwerks.

In Längsrichtung einer Mauer eingemauerter starker Holzbalken zur Versteifung bzw. "Verankerung" des Mauerwerks. Ankerbalken fanden vor allem im Hochmittelalter Verwendung.

Ansage

Ansage einer Fehde.

Ansage bedeutet im Allgemeinen Ansage einer Fehde, im besonderen das Recht des Lehensherrn sowie des Lehnsmannes, das Treueverhältnis einseitig zu kündigen. Die Folgen waren dieselben wie bei der Felonie.

Antependium

Altarvorsatz.

Antealtare, Antemensale, Frontale. Bezeichnung für den Altarvorsatz, von lat. ante, "vor", und pendere, "hängen", mit der Bedeutung "Vorhang", ursprünglich aus Stoff bestehende Verkleidung der Vorderseite des Stipes, des Trägers der Mensa (Altarplatte).
Das Antependium war in der Ostkirche seit dem 4. Jahrhundert, im Westen seit dem 5. Jahrhundert gebräuchlich. Gewöhnlich wurde die Vorderseite, manchmal aber auch die beiden Schmalseiten und die Rückseite des Altartisches mit Stoff bespannt. Seit dem 8. Jahrhundert sind feste Verkleidungen des Altarunterbaus üblich. Meist aus Holz bestehend, wurden aber auch Metallverkleidungen samt Emailverzierimg üblich. Die Rückwand des Altarunterbaus heißt Dorsale bzw. Dossierung. Seit 1570 war das Antependium, im Gegensatz zu den protestantischen Kirchen, in katholischen Gotteshäusern zwingend vorgeschrieben.

Antichambre

Vorzimmer.

Vorzimmer, von lat. ante = vor, davor; frz. chambre = Zimmer; davon: "antichambrieren".

Antoniter

Christlicher Orden.

Der Antoniusorden, die Antoniter oder Antonianer, wurde 1059 in St. Didier-de-la-Motte in der Dauphiné in Südfrankreich gegründet. Das Stammkloster befindet sich in St. Antoine zwischen Grenoble und Valence. Der französische Edelmann Gaston soll ihn als Dank für die Heilung seines Sohnes vom "Antoniusfeuer", einer im Mittelalter in Europa verbreiteten ansteckenden Seuche, gestiftet haben. Der Name erinnert an Antonius den Großen, den Vater des Möchtums. Papst Urban II. bestätigte 1095 den Orden als Laienbruderschaft, Papst Bonifatius VIII. wandelte ihn 1298 in einen Chorherrenorden um. Von 1217 an widmeten sich die Antoniterchorherrenstifte besonders der Krankenpflege, 365 Spitäler wurden in den drei folgenden Jahrhunderten gezählt.
Antoniter tragen über schwarzem Chorkleid einen schwarzen Mantel mit hellblauem T-Kreuz.

Antoniusfeuer

Im Mittelalter auftretende tödliche Krankheit.

Auch "heiliges Feuer" oder ignis infernalis, "Höllenfeuer", genannt. Vor allem im Mittelalter aufgetretene tödliche Krankheit. Wer davon befallen war, meinte, von einem inneren Feuer aufgezehrt zu werden. Die Menschen schrieen und krümmten sich vor Schmerzen. Um das Jahr 1100 sollen allein in Limoges/Frankreich 40.000 Menschen am Antoniusfeuer gestorben sein. Nach dem Volksglauben sollte die Krankheit durch Gebete zum hl. Antonius Eremita geheilt werden. Heute weiß man, dass die Krankheit durch den Genuss von Mutterkorn, einem auf Getreideähren schmarotzenden Pilz, ausgelöst wird. Durch moderne Getreidereinigungsverfahren ist die Gefahr des Antoniusfeuer gebannt. Die letzte bekannte Massenerkrankung ereignete sich 1951 in Frankreich. Damals wurden mehr als 200 Menschen mit Mutterkorn vergiftet, vier davon starben. In der christlichen Kunst sind bisweilen vom Antoniusfeuer Befallene wiedergegeben, aus deren Leib kleine Flammen züngeln.

Antwerk

Begriff aus de mittelalterlichen Belagerungstechnik.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

Anzugsgeld

Abgabe an den Herrn beim Herzug.

Im Mittelalter eine übliche Abgabe für das Recht, sich an einem bestimmten Ort wohnlich niederlassen zu dürfen. Dem Anzugsgeld entsprach das Abzugsgeld beim Verlassen des Ortes.

Appelation

Anrufung einer höheren gerichtlichen Instanz.

Die Kurfürsten und die meisten großen Fürsten des Reiches erwarben sog. "Appellationsprivilegien" ("privilegia de non appellando"), d.h. der Kaiser verlieh ihnen das Recht, ihren Untertanen die Appellation an ein kaiserliches Gericht zu versagen. Darüber hinaus verlieh er "privilegia de non evocando", d.h. der Kaiser selbst durfte keine Prozesse vom Gericht des betreffenden Landesherrn mehr vor sein eigenes Gericht ziehen. Das machte die landesherrlichen Gerichte zu den höchsten Gerichtsinstanzen in dem betreffenden Land und war ein wesentlicher Schritt zur einheitlichen fürstlichen Territorialherrschaft.

(Text: Uni Münster)

Apsis

Halbrunder Abschluss des Kirchenchors.

Von griech.: "hapsís", "hapsidos" ("Verknüpfung", "Bogen", "Wölbung").

Die Ostseite einer Kirche oder Basilika ist hinter dem Chor mit einem halbrunden Anbau abgeschlossen, der Apsis. Sie ist meist von einem ebenfalls halbrunden Überbau, der Apsiskalotte bzw. Konche (später wurde der Begriff Konche auf die Apsis übertragen), bedeckt. Bei den römischen Basiliken konnte es auch vorkommen, dass am Querschiff oder an den Nebenchören kleinere Apsiden anschlossen. Dadurch entsteht z.B. ein Dreiapsidenchor. Auch war es möglich, dass bei einigen einschiffigen römischen Kirchen, seltener bei Basiliken, keine Apsis vorhanden war. Hierbei handelte es sich dann um einen sogenannten "platten Chorschluss".

Im Westen Europas wurde die Apsis - infolge des Übergangs in die Gotik - von Glasmalereien und Skulpuren abgelöst, während im italienischen und byzantinisch-ostchristlichen Kirchenbau die Apsis erhalten blieb.

Aquädukt

Steinbauwerk (Wasserleitung) auf Pfeiler- und Bogenkonstruktionen.

Römisch antike, brückenartige Steinbauwerke aus Pfeiler- und Bogenkonstruktionen, die das Wasser in einem offenen oder überdeckten Rinne (Kanal) im natürlichen Gefälle über Flüsse und Täler vom Land in die Siedlung leiteten. Der Aquädukt bezeichnet auch das gesamte Wasserführungssystem, zu dem die Quellenfassung, die mit Überlauf- und Schiebertechnik ausgestattete Verteilungskammer, das Divisorium (lat. divisio = Verteilung) und die Verbrauchsstelle (Thermen, Brunnen, Paläste) gehören. Der Wasserkanal, im Querschnitt ca. 0,80 x 1,60 m war mit hydraulischem, gut abdichtenden Kalkmörtel (Mörtel) ausgekleidet, mit großen Steinplatten gegen Verschmutzung (und ,Wasserdiebstahl' durch die Bauern) abgedeckt. Die bedeutendsten Aquädukte für die Wasserversorgung Roms wurden in der Campagna gebaut, der erste 312 v. Chr. von Appius Claudius. In der spätrömischen Kaiserzeit gab es ein Anlagen mit z. T. fast hundert Kilometern langen Kanalsystem. Aquädukte wurden noch im 19. Jahrhundert bis zur allgemeinen Einführung des Druckwasserleitungsystems (Wasserwerke, Wassertürme u. Dampfdruckausgleichstürme) gebaut.

Ar

Flächenmaß (100 m²)

Das Flächenmaß entspricht 100 m² oder 1/100 Hektar. Das in England und USA gebräuchliche Acre besteht aus 40,5 Ar.

Architrav

Tragender Hauptbalken in der Architektur.

von griech. archi-, "ober-", "erster", und lat. trabs, "Balken", (gleichbedeutend griech. Epistylion). Bezeichnung für den waagrechten tragenden Hauptbalken (Bindebalken), der Säulen, Pfeiler oder Bogen überspannt. Architrave sind oft friesförmig verziert und dienen als Auflage, als Träger des Gebälks.

Arcuballista

Mittelalterliche Handwaffe.

Arcuballista bezeichnet eine Bogenschleuder, die als Handwaffe getragen oder auf Rädern fortbewegt werden konnte.

Argentum

Begriff aus dem Münzwesen.

Seit der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. gab es in Rom Silbergeld, das im Tempel der Iuno Moneta (=»Mahnerin« »Münze«) geprägt wurde. 1 Sesterz (sestertius) bestand aus 2 dupondii (ursprünglich 2,5 asses), der Denar (denarius) hatte 4 sestertii (ursprünglich 10 asses).

Arkade

In der Architektur ein(e) auf Pfeilern oder Säulen ruhende(r) Bogenreihe.

(lateinische arcus = Bogen). Ein auf Pfeilern oder Säulen ruhender Bogen bzw. eine Reihe von Bögen (Arkatur) in der Front von Fassaden, in Innenhöfen oder in Verbindung mit einem offenen Gang als Bogengang, Wandelgang oder Laubengang, Galerie oder Loggia.

Blendarkade
Die Blendarkade öffnet die Wand nicht, sie gliedert sie nur dekorativ. Die Blendarkade ist ein vorgebauter Bogen, der keine Maueröffnung umschließt. Die Bögen sind oft zu einer Blendarkade gereiht.

Zwergarkade
Zwergarkaden (auf zierlichen Säulchen) bilden unter dem Hauptgesims romanischer Choranlagen einen nach außen geöffneten Laufgang, die Zwerggalerie.

Arkadenfenster

Fensterform mit einer oder mehreren Mittelsäulen

Besonders aufwendig und repräsentativ gestaltetes Fenster mit einer, zwei, drei oder mehr Mittelsäulen, die vorwiegend an repräsentativen Palasbauten Verwendung fanden.

Solche Arkadenfenster mit mehrfach gekuppelter Arkadenöffnung sind etwa in der Pfalz Gelnhausen, auf Burg Münzenberg und der Burg in Büdingen zu bewundern. Auch die Burgen Salzburg und Wimpfen in Bayern, die Wartburg und Rothenburg in Thüringen sowie die Albrechtsburg in Sachsen verfügten über einen besonders dekorativen Fensterschmuck.

 

 

Arkebuse

Handfeuerwaffe des 15. Jahrhunderts.

Die Arkebuse war eine schwere, geschmiedete Handfeuerwaffe des 15. Jahrhunderts. Sie war auf einem Holzstück befestigt und konnte in der Regel von einem einzelnen Mann bedient werden. Anfänglich befand sich das Zündloch oben auf dem Rohr und konnte einen Zündlochdeckel besitzen, der mit Zapfen oder Scharnier befestigt war. Dieser schützte die Ladung vor Feuchtigkeit. Später wurde das Zündloch an der rechten Seite des Rohrs angebracht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter dem Stichwort "Handfeuerwaffe".

(Text: Stefan Grathoff)

Armarium

Im Kloster Aufbewahrungsort der hl. Bücher.

Das Armarium (lat. Waffenschrank) war der Raum, in dem man im Kloster die (heiligen) Büchern aufbewahrte. Bücher wurden in diesem Zusammenhang als "Waffen' des Geistes" betrachtet.

Armbrust

Handwaffe des Mittelalters.

Eine Armbrust ist eine bogenähnliche Waffe, die Pfeile oder Bolzen aus Metall verschießt; in seltenen Fällen auch Kugeln oder Steine (bspw. zur Vogeljagd).

Arrondierung

Abrundung eines Streubesitzes durch Kauf und Tausch.

Abrundung eines Streubesitzes durch Kauf und Tausch. Ziel war es, Herrschaft über ein möglichst geschlossenes Gebiet zu erlangen.

Artes liberales

Die sieben "freien Künste".

Seit dem Altertum üblicher Terminus für die "Sieben freien Künste" (lat. septem artes liberales), d. h. die Bildungsziele der freien Bürger. Der Terminus war auch im Mittelalter für die Ausbildung des freien Mannes üblich, der nicht auf materiellen Broterwerb angewiesen war. Die von Martianus Capella stammenden Schrift "De nuptiis Mercurii et Philologiae" (Von der Hochzeit Merkurs mit der Philologie) aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. überliefert die Disziplinen des Bildungswesens der Antike. Das Mittelalter übernahm die Artes liberales An den Universitäten wurden sie in die drei unteren Fächer, das Trivium, zu dt. "Dreiweg" (Grammatik, Dialektik, Rhetorik), und in die vier höheren Fächer, das sogen. Quadrivium, zu dt. "Vierweg" (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie), unterteilt. Als Symbol für die Artes liberales diente oft eine siebensprossige Leiter. Während die septem Artes liberales, die "sieben freien Künste", im Alterum den Freigeborenen vorbehalten waren, durften die mit körperlicher Arbeit verbundenen mechanischen bzw. schmutzigen Künste auch Unfreie ausüben. Im Mittelalter zählten zu den Artes mechanicae auch die Bildende Kunst mit der Baukunst sowie die Angewandte Kunst.

Arx

Lateinische Bezeichnung für eine befestigte Anhöhe, Schutzwehr oder ein Bollwerk.

Arx war ursprünglich die lateinische Bezeichnung für eine befestigte Anhöhe, Schutzwehr oder ein Bollwerk. Die "arx" konnte Teil eines "oppidum" oder einer befestigten "urbs" sein. In karolingischer Zeit (751-814) wurden sogar Herrenhöfe und befestigte Gutshöfe "arx" genannt.

Aschkenasisch

Die Weltjudenheit teilt sich heute hauptsächlich in aschkenasische und sefardische Juden.

Die Weltjudenheit teilt sich heute hauptsächlich in aschkenasische und sefardische Juden. "Aschkenas" ist seit der talmudischen Zeit die hebräische Bezeichnung für Deutschland. Die aschkenasischen Juden stammen aus Mittel- und Osteuropa. Das aschkenasische Judentum stellt weltweit über drei Viertel, in Israel etwa die Hälfte der jüdischen Gesamtbevölkerung.

Atlant

Gewölbe- oder Gebälkstütze in Form einer männlichen Steinfigur.

Gewölbe- oder Gebälkstütze in Form einer männlichen Steinfigur; benannt nach dem Titan Atlas, der nach der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe stützt.

Attische Basis

Bezeichnung für die attisch-ionische Form der Säulenbasis.

Bezeichnung für die attisch-ionische Form der Säulenbasis, bestehend aus zwei horizontal verlaufenden halbrunden Wülsten, mit einer Hohlkehle in der Mitte.

Auchst

Monatsname (August)

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Monatsnamen.

Auditorium

Versammlungsraum im Kloster.

Das Auditorium (lat. audire = hören, anhören) war ein Versammlungsraum im Kloster.

Aufgehendes Mauerwerk

Noch sichtbares Mauerwerk eines Kulturdenkmals.

Sammelbegriff in der Archäologie und zur Baubeschreibung für alle flächenhaft aufsteigenden, vertikal oder auch leicht geböschten, konstruktiven Mauerwerke aus Ziegel oder Naturstein, insbesondere die sichtbaren Partien oberhalb der Fundamente.

Aufklärung

Hauptsächlich Bezeichnung einer Epoche.

Der Begriff Aufklärung bezeichnet die im 18. Jahrhundert vorherrschende geistige Bewegung der europäischen Intelligenz. Ihr Kennzeichen ist das Vertrauen in die Vernunft als entscheidende Quelle aller Erkenntnis, als Richtschnur menschlichen Handelns und als Maßstab aller Werte. Kant definierte 1784 in seiner Schrift "Was ist Aufklärung?" die Aufklärung als "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit". Im vernünftigen Denken und in einem durch die Vernunft bestimmten Handeln sahen die Aufklärer die Garantie für ein ständiges Fortschreiten der Menschheit in der Beherrschung der Naturkräfte ebenso wie in der Herbeiführung einer gerechten sozialen Ordnung.Der sozialgeschichtliche Hintergrund der Aufklärung ist der wirtschaftliche und soziale Aufstieg des Bürgertums, dessen Emanzipationsbestrebungen von der Aufklärung wiederum wichtige Impulse erhielten. Die Aufklärung war die geistige Wegbereiterin der Französischen Revolution. Die ideengeschichtlichen Wurzeln der Aufklärung liegen im Humanismus, in der Reformation und in den rationalistischen philosophischen Systemen des 16. und 17. Jahrhunderts (Spinoza, Descartes).Die Aufklärung war eine gesamteuropäische Erscheinung, die bis nach Nordamerika griff. Sie erfuhr ihre erste Ausprägung in den Niederlanden und England, wo Philosophen und Staatsrechtslehrer wie H. Grotius, T. Hobbes und J. Locke die Idee des dem Menschen eingeborenen Naturrechts (siehe Themenkomplex Menschenrechte: Vertiefungsthema Naturrecht), der natürlichen Religion, des Gesellschaftsvertrags und der angeborenen Menschenrechte entwickelten. Sie stellten damit die Position des Königtums "von Gottes Gnaden" ebenso in Frage wie den Anspruch der Kirchen, höchste Entscheidungsinstanz in Fragen der Moral, im Bereich der Wissenschaft, der Literatur, der Kunst und des Erziehungswesens zu sein.Die Aufklärung entfaltete ihre größte intellektuelle, gesellschaftliche und politische Wirksamkeit in Frankreich. Ihre bedeutendsten Vertreter waren Voltaire, Montesquieu, Rousseau, Diderot, Holbach, d'Alembert. Im Bereich der Staats- und Gesellschaftstheorien entwickelte Montesquieu aus englischen Vorbildern die Theorie der Gewaltenteilung von Exekutive, Gesetzgebung und Justiz unter dem Dach einer konstitutionellen Monarchie. Auch Voltaire hielt am Ideal des aufgeklärten Monarchen fest und forderte politische Rechte nur für die Besitzenden. Dagegen vertrat Rousseau die Idee der Volkssouveränität und der Gleichheit aller Bürger. Daraus ergab sich für ihn die Forderung nach der Republik.Die staats- und bürgerrechtlichen Vorstellungen der französischen Aufklärung und ihre Forderung nach den Menschenrechten hatten über Frankreich hinaus zunächst großen Einfluss auf die Führer der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung (T. Jefferson, T. Paine). Sie fanden Eingang in die Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien, die "Virginia Bill of Rights" und die amerikanische Verfassung. Von dort wirkten sie zurück auf die Französische Revolution (siehe Themenkomplex Menschenrechte: Dokumente).

(Text: Stefan Grathoff)

Auflassung

Rechtsform der Überlassung eines Grundstücks o.a.

Rechtakt, durch den die Übertragung eines Grundstücks (Lehen) aufgrund eines Gerichtsurteils erfolgte, zuerst nur vor den Königsgerichten, dann auch vor den Volksgerichten. Durch das Urteil erlangte der Erwerber unmittelbar die Sachherrschaft (Gewere), auch wenn die Besitzeinweisung erst später erfolgte. Seit dem 14. Jahrhundert wurde die gerichtliche Auflassung teils durch die Siegelurkunde bzw. das Notariatsinstrument, teils durch die Eintragung in die Stadtbücher usw. verdrängt. Zum Schluss trat die Eintragung ins Grundbuch an die Stelle der Auflassung.

Augustiner

Sammelbegriff für zwei Gemeinschaften: die Augustiner-Chorherren und die Augustiner-Eremiten.

Nicht zu verwechseln mit dem Begriff Augustiner-Eremiten.

Augustiner-Chorherren bzw. Chorfrauen gibt es seit dem 11./12. Jahrhundert. Chorherren nennt man Priester, die mit anderen zusammen in einer "Vita communis", in "gemeinschaftlichem Leben" zusammen leben, zusammen beten, gemeinsam glauben und arbeiten. Auf den römischen Synoden von 1059 und 1063 wurde die Geistlichkeit ermahnt, eine einheitliche Regel einzuführen, die den Mönchstatus mit dem aktiven Leben in der Laiengemeinschaft vereinen sollte. Das Armutsgebot, die Keuschheit und der Gehorsam sollte weiterhin befolgt werden, jedoch ohne die Abkehr von der Welt zu bedingen.

Auf diese Weise wollte man auch Weltpriestern die Vorteile mönchisch-klösterlichen Lebens eröffnen. Solche priesterlichen Gemeinschaften entstanden zunächst an Bischofskirchen; später wurden daraus "normale" Klöster. Bis Mitte des 12. Jahrhunderts hatten fast alle Gemeinschaften die Regel des Augustinus eingeführt. Offiziell bestätigt wurde diese Regel durch das 4. Laterankonzil im Jahr 1215.

Die regulierten Augustiner-Chorherren sind ein Orden der kath. Kirche, der durch lange Entwicklung, ohne einen Gründer, entstanden ist. Die in Südgallien im 6. Jahrhundert auftauchenden kanonischen Kleriker waren ortsstabile Geistliche. Die Chrodegangregel (um 755 niedergelegt) bewirkte eine strenge Trennung vom Mönchtum. Die bis ins 11. Jahrhundert gesetzlich geltende Aachener "Institutio" von 816 verlangte von den Kanonikern weder Armut noch Gelübde. Wolfgang führte als Kanoniker im Domstift Trier 956/964 die klösterliche Strenge ein. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts waren die Kathedralstifte Hildesheim und Bamberg sowie das Zürcher Grossmünster Vorbilder der Reichskanonikerreform.

Die Tendenzen der Reformatoren des 11. Jahrhunderts, die auch Gemeinschaften von Stiftsinsassen erfassten, indem sie durch die Verpflichtung zu Armut und die Annahme einer besonderen asketischen Disziplin eine Annäherung der "Vita canonica" an die "Vita monastica" herbeizuführen suchten, fielen zusammen mit der Wiederentdeckung des Ideals eines Lebens in der Gemeinschaft, das der hl. Augustinus (354-430) in seinen Schriften aufgezeigt hatte. Die "Regula Augustini" erscheint erstmals Mitte des 11. Jahrhunderts.

In den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts erscheint die strenge Richtung der Reformbewegung der Regularkanoniker (Der Orden spaltete sich 1117/19 in eine mildere Praxis (ordo antiquus) und eine härtere Lebensweise (ordo novus) mit Handarbeit und strengem Fasten.), besonders unter dem Einfluss der kanonischen Gemeinschaften eremitischen Ursprungs und der raschen Ausbreitung der Prämonstratenser. Die ideale Lebensführung bedeutete für diese Gemeinschaften Streben nach Armut und starke Betonung der manuellen Arbeit als asketische Übung und materielle Existenzgrundlage. Der äußere Eindruck für diese Haltung war das Tragen einfacher Kleidung aus billigem Stoff, Besonderer Wert wurde auf ein vertieftes geistliches Leben gelegt.

Augustiner-Chorfrauen

Regulierte Kanonissen seit dem 11. Jahrhundert, zuerst oft Konversen in Doppelklöstern der Augustiner-Chorherren (Regularkanoniker), seit 1123/27 in fast unabhängigen Stiften. Kennzeichen: kanonikale Liturgie und Kleidung, Besitzverzicht. Nach der Blüte im Hochmittelalter zerfielen v.a. die unabhängigen Stifte.

(Text: Stefan Grathoff)

Aula regia

"Königshalle" als Versammlungsort.

Die Aula Regia ersetzte ab dem 7. Jh. den germanischen Senatus als politische Versammlung. Den Mittelpunkt der Aula Regia bildeten das Palatinum und der Königshof. In Strafsachen sowie bei Prozessen waren die Mitglieder dieser Versammlung uund ihre Familien privilegiert.

Aureus (Münze)

Alte Münzeinheit

Seit Sulla und Caesar wurden verstärkt auch Goldmünzen verwendet, bis zu Beginn der Kaiserzeit Silber und Gold als Zahlungsmittel nebeneinander Verwendung fanden. Das Aureus bestand aus 25 Denar (denarii), der Solidus (solidus, "Sold", "Söldner") war ½ Aureus wert. In der Kaiserzeit war das gegenseitige Wertverhältnmis der Münzen so: 1 aureus = 25 denarii = 100 sestertii = 200 dupondii = 400 asses.

Ausfallpforte

Versteckt liegendes (geschütztes) kleines Tor in der Burg- oder Stadtmauer.

Die Poterne, auch Geheimpforte, Ausfallpforte, Schlupftür oder Schleichpforte genannt (Poterne, von lateinisch porta secreta = geheimes Tor bzw. poterula = Ausfalltor) war eine versteckt liegendes, von der Grabenschere geschütztes kleines Tor, das man in Burg- und Stadtmauern findet. Poternen dienten als Nebenausgang, der einen Umweg über das Haupttor ersparte, als Notausgang in Belagerungsfällen oder als Ausfalltor für nächtliche Kommandounternehmungen, um den Belagerern und ihrem Belagerungsgerät Schaden zuzufügen. Als Grabenschere bezeichnet man einen kleinen winkeligen Vorwall, der zum Schutz der Poterne angelegt war. Er wurde wohl auch als Sammelplatz für Ausfalltruppen benutzt. Immer wieder werden Poternen mit geheimen unterirdischen Gängen in Verbindung gebracht, die angeblich an solchen Ausfalltoren endeten.

Auskragung

Vorspringen eines Bauteils aus der Wandflucht.

Das Vorspringen ("Vorkragen") eines Kragsteins, eines Gesimses oder Erkers aus der Bauflucht bzw. das Vorspringen eines Fachwerkgeschosses, mit dem Ziel, den Wohnraum zu erweitern oder/und ein Gegengewicht (Konterlast) für Zwischendecken-Belastungen zu bilden.

Avers (Münze)

Vorderseite der Münze

Von lat. adversus, »zugekehrt«. Der Avers ist die Bezeichnung für die Kopf- Bild-, Vorder- oder Hauptseite einer Münze oder Medaille. Ein weniger gebräuchlicher Ausdruck für die Vorderseite einer Münze ist der lat. Terminus Effigies. Die Rückseite der Münze heißt → Revers.