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Glossar: Buchstabe T

Tabernakel

Kunstvoll gearbeitetes, im Mittelalter tragbares, festes Gehäuse zur Aufbewahrung der geweihten Hostie auf dem Altar (siehe auch Ziborium). Tabernakel nennt man in der gotischen Baukunst auch ein Ziergehäuse mit säulengestütztem Spitzdach (für Figuren).

Tabula Ansata

Inschriftentafel mit Henkel

Das lateinischen "Tabula Ansata" kann man mit "Tafel mit Griffen" oder "Tafel mit Henkeln" übersetzen. Gemeint ist damit eine spezielle Form von Schrifttafel (in der Regel inschriftentragend und aus Stein), die aus einem rechteckigen Hauptteil besteht mit Henkeln oder Griffen an den kurzen Seiten.
Ein Beispiel für eine Tabula Ansata finden Sie im Artikel "Das Heiligtum der Isis und Mater Magna".

Tabula Peutingeriana

Die Vorlage der Tabula Peutingeriana war eine antike Weltkarte, deren Ursprünge in das 4. Jahrhundert zurückgehen.

Die nach ihrem ehemaligen Besitzer Konrad Peutinger benannte Karte ist das einzige erhaltene Zeugnis einer antiken römischen Weltkarte. Es handelt sich dabei um eine graphische Darstellung der wichtigsten Straßen und großen Verbindungslinien, die das Römische Reich durchzogen haben.
Die Handschrift besteht aus elf Pergamentblättern, die ursprünglich an den Rändern zusammengeklebt waren und so eine Rolle gebildet hatten. In ihrem Inhalt umfaßt die Tabula Peutingeriana das Straßennetz der gesamten damals bekannten Welt, und zwar, wenn man den verlorenen ersten Abschnitt hinzunimmt, von Spanien, England, Frankreich beginnend über den europäischen Raum südlich der Donau bis Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten und schließlich bis nach Vorderindien und Ceylon.
Die Vorlage der Tabula Peutingeriana war eine antike Weltkarte, deren Ursprünge in das 4. Jahrhundert zurückgehen. Nach diesem römischen Original wurde im 12. oder 13. Jahrhundert von einem Mönch in Süddeutschland, vielleicht im Kloster Reichenau, eine Kopie angefertigt, die heute unschätzbaren Wert hat, zumal uns aus der Antike nichts Ähnliches erhalten ist. Nachdem sie ihren Besitzer mehrmals gewechselt hatte, gelangte sie schließlich in den Besitz des Prinzen Eugen und wanderte mit dessen wertvoller Bibliothek in den Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek, wo sie auch heute noch verwahrt wird.

Tagereise

Altes Längenmaß

Die Tagereise war zunächst ein sehr individuelles Längenmaß, denn sie bezeichnete diejenige Wegstrecke, die man an einem Tag zu Fuß zurücklegen konnte. Später wurde sie auf 150-200 Stadien, das sind 27-36 km konkretisiert.

Tagwerk

Altes Flächenmaß

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Münzen, Maße und Gewichte.

Talar

Schwarzer, der Sutane ähnlicher Rock.

Talar nennt man den in der Regel schwarzen, der Sutane ähnlichen Rock, der seinen Träger als Akademiker kennzeichnet und somit auch von Geistlichen getragen wird

Talar

Talar nennt man den in der Regel schwarzen, der Sutane ähnlichen Rock, der seinen Träger als Akademiker kennzeichnet und somit auch von Geistlichen getragen wird.

Talent/Mine

Alte Maßeinheit

Das Talent war eine alte Maßeinheit der Masse und wurde in der Antike durch Aufwägen von Silber (seltener Gold und Kupfer) als Währungseinheit genutzt. Ein Talent war in 60 Minen aufgeteilt.

Taler

Alte Münze

Silbermünze, die auch Silberguldener, Guldiner oder Guldengroschen genannt wurde und die nach dem deutschen Münzgesetz von 1857 einen Feinsilbergehalt von einem Lot (16 2/3 g) haben musste, bei einem Gesamtgewicht von 18,51 g.

Der Name Taler geht auf den ab 1513 im Auftrag des Grafen von Schlick aus dem Silber von St. Joachimsthal in Böhmen geprägten so genannten "Joachimsthaler" zurück, der den Gegenwert eines Goldguldens in Silber darstellte. Die Münze war mit dem Wappen der Herren von Schlick, dem böhmischen Löwen, und mit dem Bild des Heiligen Joachim versehen. Nach einiger Zeit wurde der erste Teil des Wortes (Joachims-) weggelassen und die Münze nur mehr Taler genannt (woraus später das Wort Dollar hervorging).

Der Joachimsthaler war zwar nicht die erste Silbermünze, die dem Goldwert eines Guldens entsprach, wurde aber in der Zeit von 1513-1528 in so großer Stückzahl in Sankt Joachimsthal hergestellt, dass er namengebend für ähnliche Münzen wurde. (Die erste Münze, die den Goldwert eines rheinischen Goldguldens in Silber darstellte, ließ Erzherzog Sigismund von Tirol bereits im Jahr 1486 schlagen.) Seit dem 16. Jh. erfolgte die Herstellung der Münzen nicht mehr von Hand aus, durch Schlagen am Prägeamboss (Schrötling), sondern mittels maschineller Prägung. Der Taler wurde 1566 Reichsmünze (Reichstaler, abgekürzt Rtl.). Das Reich war seither in Taler-Länder (große Teile Nord-, Mittel- und Westdeutschlands) und Gulden-Länder (Süddeutschland und Österreich) geteilt. Daneben gab es dann noch das Markgebiet (Lübische Mark).

Bis 1871 blieb der Taler mit mehrmals verändertem Münzfuß die wichtigste deutsche Silbermünze, seit dem Münzgesetz von 1857 mit einem Wert von 30 Groschen. Später diente der Taler nur noch als Schau- und Geschenkmünze (Georgstaler; Mariatheresiataler).

 

Talmud

wörtl. etwa "Lernen", "Unterricht") Aus 6 "Ordnungen" und insgesamt 63 Traktaten bestehendes Hauptwerk der mündlichen jüdischen Lehre, die die schriftliche Lehre (Tora) begleitet und erläutert. Der Talmud beinhaltet einen inneren Kern, die "Mischna" (eine im 2. Jahrhundert fertiggestellte Sammlung der bis dahin nur mündlich überlieferten Gesetzesvorschriften), und die sie begleitenden Diskussionen späterer Gelehrter (auch als "Gemara" bekannt). Neben Erörterungen des jüdischen Gesetzes (Halacha) enthält er auch zahlreiche Erzählpassagen (Agada). Es gibt den Babylonischen und den Jerusalemer Talmud. Beide wurden etwa im fünften Jahrhundert endredigiert und umfassen Diskussionen jüdischer Gelehrter aus mehr als acht Jahrhunderten.

Tankzisterne

In Fels eingebauter Behälter zum Sammeln von Regenwasser

Die Tankzisterne war ein schlichter, überwölbter, in den Fels eingebauter Behälter, in den das Regenwasser gesammelt oder herbeigeschafftes Wasser eingefüllt wurde. Den Behälter dichtete man innen mit einer Schicht aus Mörtel und Ziegelschrot ab. Außen wurde der gemauerte Mantel mit festgestampftem Lehm wasserfest gemacht. Die Wasserkammer war meist rechteckig, seltener kreisrund. Die Größe des Beckens schwankte zwischen einem und vier Metern. Die Becken waren zwischen zwei und sechs Metern tief und ebenso lang und breit (Hohenfels/Elsaß, Dahn/Rheinpfalz). Die Decke der rechteckigen Behälter bestand meist aus einem Tonnen- bzw. Stichbogengewölbe, die runden Kammern wurden von einem Kuppelgewölbe gedeckt. Der Zulauf des Wassers erfolgte am oberen Rand der Seitenwände, das Wasser wurde bei Bedarf durch eine meist rechteckige Deckenöffnung geschöpft.

Zisternen gab es nicht nur für die Menschen sondern auch für die Tiere Auf den Burgen Trifels, Gutenfels/Rhein, Dahn, Greifenstein/Westerwald und den Wasgauburgen kann man heute noch Viehtränken und Wasserbehälter sehen, die in den Felsen gehauen bzw. in den Boden eingegraben wurden und den Tieren als Tränke dienten. Sie hatten allerdings meist kein eigenes Einzugsgebiet sondern mussten mit der Hand mit Wasser gefüllt werden.

(Text: Stefan Grathoff)

Tarant

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

Täufer

Religiöse Gruppierung der Reformation

Die Täufer sind Gruppierungen der Reformation in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Sie vertraten die Auffassung, dass nur die Erwachsenentaufe einen Menschen in die christliche Gemeinde aufnehmen kann. Sie lehnten politische Ämter und die päpstliche Kirche ab. Andere Richtungen wie Thomas Münzer, der mit der Reformation sozialrevolutionäre Ideen verband, wurden von der Obrigkeit blutig unterdrückt.

Taufstein

Ein aus Stein gefertigtes Taufbecken

Taufstein bezeichnet ein aus Stein gefertigtes Taufbecken, mit dessen Hilfe im christlichen Ritus durch die Taufe die Aufnahme in die Kirche vorgenommen wird.

(Vgl. auch den Begriff Baptisterium)

Te Deum

Dieses gesungene Gotteslob ist seit dem 5. Jahrhundert nach Christus bezeugt.

Templer

Mitglieder eines Religions- und Militärordens, der von 1119-1312 bestand.

Templer waren die Mitglieder eines mittelalterlichen Religions- und Militärordens, der offiziell "Orden der armen Ritter Christi" hieß. Gemeinhin bekannt waren sie als die "Ritter des Tempels von Salomon" oder "Tempelherren", da ihr erstes Ordenshaus nahe der Stelle gelegen war, an welcher der Salomonische Tempel stand.
Der Orden entstand aus einem Bund, der 1119 von den beiden französischen Rittern Hugo von Payens und Godefroy de Sant Omer in Jerusalem geschlossen wurde. Sein Ziel war der Schutz von Pilgern, die nach dem ersten Kreuzzug Palästina besuchen wollten. Die militärische Ausrichtung, die den Orden von Beginn an bestimmte, unterschied ihn von den beiden anderen religiösen Rittergemeinschaften des 12. Jahrhunderts, dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden.
Die Tempelritter wurden vom Papst bestätigt, auf dem Konzil von Troyes wurden ihnen 1128 strenge Regeln auferlegt, die der Klosterregel der Zisterzienser nachgebildet waren. Die Tempelritter wurden von einem Großmeister angeführt, unter diesem bestanden drei Rangfolgen: Ritter, Kapläne und dienende Brüder. Nur die Ritter durften die Ordenstracht, einen weißen Mantel mit achtspitzigem rotem Kreuz auf der linken Brustseite, tragen.
Da die Templer regelmäßig Geld und Güter von Europa nach Palästina transferierten, entwickelten sie ein gut funktionierendes Bankensystem, das bald auch die europäischen Herrscher und Adelshäuser in Anspruch nahmen. Nachdem die letzten Kreuzzüge fehlgeschlagen waren, zogen sich die Templer aus Palästina zurück. Ihr enormer Reichtum und ihre Macht brachten sie in Opposition zu weltlichen und kirchlichen Herrschern. 1307 begann auf Anweisung des Königs Philip IV. von Frankreich und von Papst Clemens V. ihre Verfolgung durch die Inquisition. 1312 wurde der Orden von Clemens V. aufgehoben und sein Besitz offiziell dem rivalisierenden Johanniterorden zugewiesen, tatsächlich großenteils von Philip IV. und König Eduard II. von England eingezogen. Letzterer löste den Orden in England auf.
Die Templer waren in Deutschland nie so populär wie in England oder Frankreich, sie hatten hier im Deutschen Orden mächtige Konkurrenz. Nach dem 2. Weltkrieg hat der Templer-Orden als überkonfessionelle Organisation eine gewisse Neubelebung erfahren, besonders auch in Deutschland, darüber hinaus mit 20 Prioraten in Europa und Übersee. Das Generalkapitel hat seinen Sitz in Nürnberg.

Quelle: www.heiligenlexikon.de

Terra Sigillata

Terra Sigillata ist eine besondere Keramiksorte der römischen Zeit. Sie fällt auf durch ihre rote Farbe und ihre Härte.Sie ist für die Archäologen immer noch das wichtigste Hilfsmittel für die erste Datierung und liefert Hinweise zur Wirtschaftsgeschichte, zum römischen Manufakturwesen, zu Handelsrouten und zur Erforschung der Romanisierung.Der Name "Terra Sigillata" ist ein moderne Schöpfung. In römischer Zeit heisst die Keramik vas arretinum oder vas Samium Letzteres bezieht sich auf die glänzenden Töpferwaren von der ägäischen Insel Samos.

Territorium

Ein Territorium ist ein Stück Land, über das sich eine einheitliche Herrschaftsgewalt (Gerichtsherrschaft) erstreckt.

Vormoderne Herrschaft ist primär Herrschaft über Personen, nicht über eine feste Gebietsfläche, mit festen Grenzen. Herrschaft verteilt sich auf viele, hierarchisch abgestufte Träger. Mehrere Herren teilen sich womöglich verschiedene Herrschaftsrechte über dieselben Personen.
Im Laufe der Frühen Neuzeit vollzieht sich ein Prozeß zunehmender Territorialisierung; Herrschaft wird zunehmend als Herrschaft über einen Raum samt aller darauf wohnender Personen verstanden und als solche intensiviert. Alle möglichen Herrschaftsrechte erscheinen als "an dem Territorium hängend", d.h. ergeben sich aus der Herrschaft über das Territorium, werden also in einer Hand zusammengefßt, gebündelt und immer mehr als Einheit verstanden. Diese neuen, territorialen Herrschaftsstrukturen werden im Rahmen des Römisch-deutschen Reiches vor allem auf der Ebene der einzelnen Fürstentümer entwickelt und nicht oder kaum auf der Ebene des Reiches als Gesamtheit. Hier bleibt das alte Personen- und Rechtsverbands-Prinzip vorherrschend.
(Text: Uni Münster)

Terz

Klösterliches Stundengebet

Die Klosterinsassen sangen zu den verschiedenen Zeiten des Tages Stundengebete, die den Tag gliederten. Die Terz wurde zur dritten Stunde der früheren Tageseinteilung gebetet.

Thurn und Taxis

In der Geschichte vor allem wegen ihres Fuhr- und Postunternehmens bekannt.

Die Familie Thurn und Taxis erlangte seit dem 16. bis in das 18. Jahrhundert als Postuntermeher Aufstieg und Reichtum. Die Familie erwarb Ländereien, im 19. Jahrhundert auch Industrieunternehmen und Brauereien. Von 1748 bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 stellte die 1695 gefürstete Familie den Prinzipalkommissar (Vertreter des Kaisers) beim Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 betrieben die Thurn und Taxis ein privates Postunternehmen unter dem Namen Thurn-und-Taxis-Post mit der Zentrale in Frankfurt weiter. Nach dem Sieg im Preußisch-Österreichischen Krieg besetzte Preußen die Reichsstadt Frankfurt und zwang die Thurn-und-Taxis-Post am 28. Januar 1867 zu einem Abtretungsvertrag, in dem sie die Posteinrichtungen dem preußischen Staat gegen eine Abfindung überließen. Die Übergabe erfolgte am 1. Juli 1867.

Link zur Unibibliothek Regensburg

Tiara

Kopfbedeckung des Papstes

Die Tiara ist die Kopfbedeckung des Papstes. Früher hatte sie die Form einer Halbkugel (Phrygium), seit dem 12. Jahrhundert kennt man den spitzen Hut mit drei Reifen als Krone.

Titulus

Titelinschrift

In der allgemeinen mittellateinischen Literatur steht Titulus für eine Aufschrift oder Inschrift auf Dingen aller Art, die ihren Träger nennt, erläutert oder sonst zu ihm Stellung nimmt. Tituli sind aus dem Mittelalter in großer Zahl erhalten und finden sich auf Bildwerken, Bildern und Miniaturen, Gebäuden und ihren Teilen, verschiedenem Hausrat, Gewändern, lit. Werken und Grabmälern. Im Bereich der Kunstgeschichte der frühchristlichen Ikonographie sind von den vielfältigen Bedeutungen des lat. Begriffs vor allem die (Namens-)Aufschriften wichtig.
Ein Beispiel ist der sogenannte titulus crucis, den Pontius Pilatus dem Evangelisten Johannes  zufolge (Joh 19,19-22) am Kreuzes Christi anbringen ließ. Die Initialen INRI stehen für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, zu deutsch: Jesus von Nazareth, König der Juden.

Tjost

Kampfart im Turnier

Als Tjost bezeichnet man den Lanzenkampf von zwei Reitern in voller Rüstung. Das Wort Tjost hat sein Ursprung im lateinischen "justa", was soviel wie rechtmäßiger Kampf bedeutet. Im frühen Mittelalter wurden strittige Gerichtsfälle nicht selten in einem Zweikampf entschieden. Der Ritter forderte seinen Gegner über einen Mittelsmann zum tjostieren auf: Er beauftragte entweder einen Turnierherold, oder er schickte seinen Knappen.

In Norddeutschland, den Niederlanden und in England griff man im 13. Jahrhundert bei der Herausforderung des Gegners auf die am Hofe des sagenhaften König Artus' übliche Zeremonie zurück: Man berührte den am Wappenbaum hängenden Schild des Gegners mit der Lanzenspitze.

Wurde die Aufforderung angenommen, stellten sich beide Ritter zur ersten Runde des Tjostes in gewisser Entfernung zueinander in der Kampfbahn auf. Die Entfernung betrug zwischen 200 und 300 Schritten. Wer die Lanze sicher zu führen verstand, wählte einen langen Anlauf, der besonders wirkungsvoll war. Mit dem Aufkommen der schweren Ritterrüstungen wurden sicheres Reiten und Zielen mit der Lanze immer schwieriger und die Kämpfenden zogen einen kürzeren Anlauf vor.

Die Ritter setzten die Helme auf, schlossen die Visiere und sprengten mit eingelegter Lanze aufeinander zu. Die anfänglich spitzen Lanzen wurden mit der Zeit zunehmend gegen stumpfe Lanzen ausgetauscht, um die oft lebensgefährlichen Verletzungen zu vermeiden. Ziel des Zweikampfes war es nämlich, den Gegner mit der Lanze zu treffen und aus dem Sattel zu heben. Wer fiel, hatte den Kampf verloren.

Geübte Lanzenkämpfer wendeten den schwierigen Kinnstoß an. Gelang es ihnen, den Hals des Gegners zu treffen, wurde er betäubt und stürzte rückwärts vom Pferd. Einfacher war es, einen Stoß "zu den vier Nägeln" zu versuchen, d.h. auf den mit Eisenbeschlägen verstärkten Schildbuckel zu zielen. Hierbei war es besonders wichtig, eine möglichst große Stoßkraft im Moment des Aufpralls zu erreichen. Deshalb ließ man das Pferd zunächst nur galoppieren, um kurz vor dem Zusammenprall in die Karriere überzugehen, d.h. das Pferd zur schnellsten Gangart anzutreiben. Meist zersplitterte zwar die Lanze, aber der frontale Stoß fegte den Gegner dennoch aus dem Sattel.

Um den Reitern einen festeren Halt auf ihren Pferden zu geben, wurden aus diesem Grund die Sättel der Turnierpferde erhöht (Hohenzeugsattel). Es war aber verboten, sich am Pferd in irgendeiner Weise festzuschnallen, um das Herunterfallen zu verhindern.

Es gehörte zu den Turnierregeln, dass man den direkten und gefährlichen Zusammenprall mit dem Gegner und seinem Ross vermied und nach dem Lanzenstoß das Pferd nach rechts lenkte. Das Überreiten des Gegners galt als unritterlich. Trotzdem kam es häufig zu solchen Zusammenstößen. Deshalb wurden hölzerne Barrieren, die sog. Schranken (Planken, Pallia), errichtet, welche die beiden vorpreschenden Reiter voneinander fernhielten.

Dieses "Stechen über die Planke" wurde auch als Welsches Stechen bezeichnet. Da die Lanzen jetzt nicht mehr frontal, sondern "nur" noch in einem Winkel von ca. 75 Grad den Körper des Gegners trafen, reduzierte sich die Wucht des Stoßes spürbar.

Es war auch verpönt, auf das Pferd zu zielen Da es wohl doch häufig geschah, war der Kopf des kostbaren Turnierpferdes von einer stählernen oder ledernen Rossstirn, der Brustbereich von einem speziellen Panzer, dem Fürbug, geschützt. Untersagt war es auch, dem Gegner in die Zügel oder das Zaumzeug zu greifen. Brachte ein Ritt nicht den gewünschten Erfolg, wurde ein neuer Anlauf eventuell mit einer neuen Lanze unternommen.

Ulrich von Lichtenstein soll am 1.5.1224 an einem Tag 30 Lanzen verstochen und am nächsten Tag gegen sechs Gegner nochmals 25 verbraucht haben. Von Gahmuret heißt es im Parzival, er habe an einem Tag 100 Lanzen benötigt. Viel Glauben kann man diesen Angaben nicht schenken, es handelt sich dabei wohl um eine der üblichen mittelalterlichen Übertreibungen, die dem Leser verdeutlichen sollte, dass die Kämpfer über Stunden vollen Einsatz bringen mussten.

Wenn das Stechen keinen Erfolg brachte oder beide Ritter vom Pferd gefallen waren, konnte der Kampf zu Fuß weitergehen. Dann hieb man mit Schwertern aufeinander ein, bis einer der beiden Ritter erschöpft aufgeben musste. Er verließ die Kampfbahn oder nahm den Helm ab und gab damit zu verstehen, dass er nicht weiterkämpfen wollte.

(Text: Stefan Grathoff)

Topfhelm

Vollständiger Eisenschutz für den Kopf

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts setzte sich der Topfhelm durch, der zum typischen Helm der Ritterzeit wurde. Er hatte eine zylindrische Form, schloss oben mit flachem Scheitel ab und Sehschlitze und Nasenfalz bildeten häufig ein Kreuz. Der Topfhelm bestand aus zusammen genieteten bzw. geschmiedeten Eisenplatten und schützte den gesamten Kopf und Halsbereich. Die Entwicklung eines Rundumschutzes für den Kopf wurde notwendig, weil sich die Kampftaktik der Ritterheere änderte und das einfache Kettengeflecht nicht mehr ausreichte. Zum einen gingen die Ritter dazu über, mit wuchtigen Lanzenstößen auf den Kopf des Feindes zu zielen, zum anderen wurde die Zahl der Bogen- und Armbrustschützen bei den Fußtruppen immer größer. Unter dem Helm trug der Ritter eine schützende weiche textile oder eine lederne bzw. metallene Helmhaube. Als der Topfhelm immer höher wurde, musste auch die Helmhaube entsprechend angepasst werden. So entstand die sog. Kleine Beckenhaube, die man unter dem Helm, aber über der Ringelkapuze trug. Auch der obere Helmabschluss wandelte sich um 1300 vom ursprünglich flachen zu einem abgerundeten oder spitzen Scheitel. Zu dieser Form führten praktische Überlegungen: Schläge mit Schwert und Kolben auf den Helm sollten seitlich abgleiten und an Wucht verlieren. Der Topfhelm wird Ende des 13. Jahrhunderts allmählich von der Großen Beckenhaube abgelöst.  

(Text: Stefan Grathoff)

Tora

(wörtl. "Lehre") Im engeren Sinne: Die 5 Bücher Moses (Pentateuch). Im erweiterten Sinn: Die gesamte jüdische Lehre.

Tourelle

Auf der Mauer aufsitzendes, erkerartiges Türmchen.

Transfix

Unter einem Transfix versteht man eine Urkunde, die an eine andere, mit ihr inhaltlich in Beziehung stehende, angeheftet ist. Dies geschieht in der Weise, dass eine Trennung der beiden Urkunden ohne Siegelverletzung nicht mehr möglich ist.

Vgl. Transsumpt und Rotel.

Transsumpt

Begriff aus der Urkundensprache

Überlieferungsform einer Urkunde mit Rechtskraft. Der Text einer Originalurkunde (A) wird in eine neue Urkunde (B) wörtlich eingefügt und von dem Aussteller von B bestätigt. Damit ist auch der neue Aussteller an den Inhalt von A gebunden. Diese Urkunde B mit dem Inserat (der wörtlichen Abschrift) ist ein Transsumpt. Dieser Vorgang der Übernahme und Bekräftigung von alten Verordnungen erfolgte oft durch den Rechtsnachfolger des Ausstellers der Originalurkunde.

Traufe/Traufbereich

Untere waagerecht verlaufende Begrenzung eines Daches.

Treppenturm

Zugang für Gebäude bei denen der Wehraspekt im Hintergrund steht

Treppentürme sind auf mittelalterlichen Burgen selten. Sie wurden an Wohn- und Palasgebäuden sowie gelegentlich an Wohntürmen: Bei diesen Gebäuden stand der Wehraspekt im Hintergrund; ein bequemer Zugang wurde als unproblematisch erachtete. Deshalb sind Treppentürme an Bergfrieden eher die Ausnahme. Solche Anlagen wurden erst in den Zeiten errichtet, in denen die Burg ihre militärische Funktion bereits weitgehend verloren hatte. Richtige Bedeutung erlangten Treppentürme erst beim Schlossbau. Hier wurden sie dann in mannigfaltiger Weise künstlerisch ausgestaltet.

Treuga Dei

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort "Gottesfrieden".

Tribok

Belagerungsgerät

Der Tribok (franz. Trébuchet, ital. Trabocco) wurde zum ersten Mal in Deutschland im Jahr 1212 von den Truppen Kaiser Ottos IV. (1250-1254) eingesetzt. Das "teuflische" Werkzeug, wie es von den Zeitgenossen genannt wurde, bedeutete eine entscheidende Wende in der mittelalterlichen Kriegführung. Das Auftauchen dieser Waffe rief bei den zeitgenössischen Chronisten Bewunderung und Respekt hervor, weil man nun in der Lage war, auch dicke Burgmauern zum Einsturz zu bringen.

Der Tribok bestand aus zwei senkrechten Ständerbalken, durch die waagerecht eine eiserne Stange als Drehachse führte. Daran befestigt konnte ein Schleuderarm schwingen, der durch die Drehachse in zwei unterschiedlich lange Abschnitte geteilt war. Am kurzen Arm war ein mit Steinen gefüllter Holzkasten befestigt, am Ende des langen Hebelarms befand sich entweder eine löffelförmige Schale oder eine Seilschlinge, die für das Wurfgeschoß vorgesehen waren. Der lange Arm, der in Ruhestellung senkrecht nach oben stand, wurde mittels Welle, Rad und/oder Muskelkraft nieder gezogen und arretiert. Dadurch wurde das Gegengewicht nach oben befördert und setzte das System unter Spannung. Das Wurfgeschoß wurde eingelegt, die Maschine ausgerichtet und der Geschützmeister löste die Sperre.

Die Schleuder verfügt über einen Unterspanner, der an verschiedenen Ösen an der Schlinge befestigt werden kann. Mit dem Unterspanner konnte man die Schussbahn bestimmen. Je weiter oben an der Rute er eingehakt war, desto horizontaler verlief die Schussbahn. Das Wurfgeschoß wurde in die Schlinge gelegt. Die mit dem Wurfgeschoß geladene Schlinge ruhte vor dem Abschuss in einer Holzrinne am Boden des Tribok. Indem man den Arretierungsbolzen herausschlug, wurde der Schuss ausgelöst

Das Gegengewicht riss den kurzen Arm nach unten und ließ den langen Arm gleichzeitig nach oben schnellen. Das Geschoß verließ den Löffel bzw. löste sich aus der Schlinge und wurde im hohen Bogen fort geschleudert.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

Triforium

Das mittlere Geschoss bei gotischen Kirchen, das zwischen den Arkaden (Erdgeschoß) und dem Obergaden (Obergeschoß mit Fenstern) vermittelt. Im Kölner Dom nehmen Arkaden und Obergaden je drei Siebtel der Gesamthöhe ein, das Triforium ein Siebtel.

Tripantium

Belagerungsgerät (Wurfgeschütz)

Das Tripantium war ein Wurfgeschütz, das nach dem Prinzip des Triboks und der Blide funktionierte. So sollen beim Tripantium beide Formen des Gegengewichtes, starr (Tribok) und beweglich (Blide), miteinander kombiniert worden sein. Nach Aegidius Romanus, der das Tripantium im Mittelalter erstmals erwähnt, soll diese Maschine sowohl sehr weit (wie die Blide) als auch sehr genau (wie der Tribok) geworfen haben. Genaueres über die Konstruktion dieses Geschützes lässt sich nicht sagen. Man muß sich vielleicht den beweglichen Gewichtskasten der Blide noch an das schwere Kolbenende des Tribok angehängt vorstellen. Da die Bezeichnung "Tripantium" in mittelalterlichen Quellen nicht mehr auftaucht, ist davon auszugehen, dass diese Maschinen in Deutschland generell als Bliden bezeichnet wurden.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

Truchsess

Das oberste der vier alten Hofämter

Truchsess, Mundschenk, Marschall und Kämmerer. Der Vorsteher der Hofverwaltung, schon früh als Seneschall bzw. Hausmeier eines der wichtigsten Ämter am Hofe. In Deutschland ging seine ursprüngliche Hauptfunktion, die Hofverwaltung, an den Hofmeister über, so dass der Truchsess nur die Aufsicht über die Tafel behielt und häufig mit dem Küchenmeister verschmolz oder ganz verschwand. Zu den Pflichten des Truchsesses gehörte die Hof- und Güterverwaltung, die Aufsicht über das Personal des Königshofes und die Versorgung der königlichen Tafel. In nachkarolingischer Zeit trat der Tafeldienst in den Vordergrund. Bereits die Truchsesse der Karolingerzeit nahmen innerhalb ihres nominellen Aufgabenbereiches allenfalls Leitungsfunktionen wahr, standen ansonsten aber vor allem für Aufgaben im Reichsdienst zur Verfügung. Auch an den Höfen der geistlichen und weltlichen Fürsten kannte man seit der Mitte des 12. Jahrhunderts das Amt des Truchsesses. In staufischer Zeit gewannen die Reichstruchsesse bestimmenden Einfluss auf die königliche Reichspolitik. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts war ihr Amt im Reichsministerialengeschlecht derer von Bolanden erblich. Das Amt des Reichserztruchsesses wurde vom Pfalzgrafen bei Rhein ausgeübt.
(Text: Grathoff und Nicolai)

Tummler

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

Türkensteuer

Steuer zur Finanzierung der Abwehr der Truppen des Osmanischen Reiches

Das expandierende osmanische Reich (Untergang des oströmischen Reiches mit der Eroberung Byzanz' 1453, Höhepunkt unter Sultan Süleyman dem Prächtigen im 16. Jahrhundert, schrittweiser Niedergang seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert) bedrohte vom 15. bis ins 18. Jahrhundert die südöstliche Flanke des Reiches, d.h. die Territorien der österreichischen Habsburger und damit des Kaisers (Höhepunkt: Belagerung Wiens 1683). Zur militärischen Abwehr dieser Bedrohung war der Kaiser auf finanzielle Unterstützung der Reichsstände angewiesen. Diese "Türkensteuern" konnte er nach frühneuzeitlichem Rechtsverständnis nicht einfach von ihnen erheben, sondern er mußte sie darum bitten; diese Bitte mußte er auf Reichstagen vortragen. Die Reichsstände konnten ihm die Hilfe nicht einfach verweigern; sie konnten sich dafür aber Zugeständnisse machen lassen.
(Text: Uni Münster)

Turmarmbrust

Schusswaffe

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsburgen.

Turmburg

Burgentyp

Als Turmburg bezeichnet man einen wehrhaften Turm oder ein turmartiges Gebäude, das auf gewachsenem Boden stand. Damit unterschied sich die Turmburg von der Motte, die zwar ähnlich aussah, aber auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet wurde. Die Turmburg wird gelegentlich auch als Wohnturmburg oder Turmpalasberg bezeichnet.

Zuweilen ist eine Unterscheidung zwischen Turmburg und Motte kaum zu treffen, weil einige zunächst ebenerdig angelegte befestigte Hofanlagen zu einer Motte umgestaltet wurden. Die bewohnbare und gleichzeitig befestigte Turmburg wurde im 11./12. Jahrhundert zum ständigen privaten Wohnsitz zahlreicher Herren. Treffliche Beispiele für diesen Bautyp ist etwa die Burg der Reichsministerialen von Arnsburg bzw. die mutmaßliche Burg der Grafen von Saarbrücken, das berühmte Schlössl bei Klingenmünster.

Arnsburg

Die Herren von Arnsburg errichteten nahe dem Kloster Arnsburg in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts ihre kleine, aber sehr trutzige Burg. Arnsburg wurde von einem großen quadratischen Wohnturm beherrscht, an den bereits ein Abort angebaut war. Der damit erkennbare gehobene Wohnkomfort ist für einen Ministerialenbau des 11. Jahrhunderts recht ungewöhnlich. Im Laufe des 11. Jahrhunderts bauten auch andere Reichsministerialen Steintürme. So errichteten die etwa die Urahnen der Herren von Münzenberg die Burg Hain (Dreieichenhain): Die Errichtung von Höhenburg blieb den nicht zum Adel gehörenden Familien in salischer Zeit (1024-1125) allerdings verwehrt.

Schlössel

Der Burg Schlössel wurde in karolingisch-ottonischer Zeit erbaut und wurde von einer mächtigen Steinmauer mit zwei Zangentoren umgeben. In diese Anlage wurde nun in salischer Zeit, wohl zwischen 1040 und 1060 ein Hügel aufgeschüttet und darauf ein Wohnturm errichtet. Zwischen 1080 und 1120 wurde die Anlage dann als "richtige" Burg mit Steinturm und mächtigem Kammertor ausgebaut. Heute gilt das Schlössel am besten erhaltenes Beispiel des neuen Bautyps einer Turmburg. Der vieleckige (polygonale) Mauerbering umgibt den Turm in beachtlicher Entfernung und schafft eine für salische Verhältnisse geräumige Grundfläche. Auch die salischen Burgen in Marburg und Weißenstein in Hessen, die verschwundene salische Burg vor dem heutigen Kloster Limburg/Haardt, die frühen Anlagen des Trifels, der Madenburg, der Kastenburg und der Burg Meistersel sowie die Habsburg im Schweizer Kanton Aargau können als Beispiele dieses Bautyps hervorgehoben werden.
 

Turmhügelburg

Burgentyp

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Motten.

Turnei

Massenkampf beim ritterlichen Turnier

Als Krone der Waffenspiele galt der Turnei, ein Massenkampf, an dem zahlreiche Ritter teilnahmen. Die Turnierveranstalter bestimmten am Vortag des Turniers zwei Parteiführer, einen "Herausforderer" und einen "Verteidiger". Dies waren Adlige meist vornehmen Standes, die jeweils eine Schar von Rittern unter ihrer Fahne versammeln sollten.

Am Morgen des eigentlichen Turniertages ritten die Turnierrufer (Kroijiere), durch das Zeltdorf der Ritter und trommelten die Kämpfer zusammen. Dann traf man sich zu einer feierlichen Messe.

Die Kirche war eigentlich gegen diese Turniere, konnte die Beliebtheit der Turniere aber nicht einfach ignorieren, denn sie war auf die Ritter vor allem für die Kreuzzüge angewiesen. So wird vor jedem Turnier eine Messe stattgefunden haben. Vielleicht nutzten die Priester die Gelegenheit, um den turnierenden Rittern ins Gewissen zu reden.

Im Anschluss daran ritt man zum Turnierfeld. Die Kroijiere stellten den vornehmen Damen und Herren auf den Tribünen und dem anderen Publikum rund um das Turnierfeld die einzelnen Teilnehmer vor. Man lobte und pries ihre Namen und würdigte das von ihnen geführte Wappen.

Die zum Turnier zugelassenen Ritter wurden durch einen einfaches Wahl- bzw. Losverfahren auf die beiden Anführer verteilt und stellten sich unter seiner Fahne auf beiden Seiten des abgesteckten Turnierfeldes einander gegenüber auf. Die Herolde verkündeten die Turnierregeln und geboten den Zuschauern bei Androhung schwerster Strafen, sich nicht in die Kämpfe einzumischen. Gelegentlich eröffnete eine Tjost der beiden Anführer der Turnei. Meistens begann der Turnei aber mit dem Lanzenkampf.

Lanzenkampf

Der erste Teil des Turneis bestand aus einer Art Gruppen-Tjost. Einige gepanzerte Reiter aus jeder Gruppe stellten sich, nur mit der Stoßlanze bewaffnet, einander gegenüber auf. Dann gaben die Trompeter das Zeichen zum Kampf und beide Gruppen sprengten geschlossen mit eingelegter Lanze aufeinander los. Wie bei der Tjost barsten die Lanzen und die ersten Reiter fielen aus dem Sattel. In den Jubel der Zuschauer mischten sich die ersten Schmerzensschreie. Die Knappen und Knechte eilten herbei, räumten die gebrochenen Lanzen fort und trugen Verwundete hinaus.

Die im Sattel gebliebenen Reiter waren aneinander vorbei geritten und befanden sich jetzt auf der "Seite der Gegner". Waren ihre Lanzen zersplittert, standen sie wehrlos da. Sie mussten ihre Pferde wenden und versuchen, an den gegnerischen Reitern und Knappen vorbei, wieder auf ihre eigene Seite zu gelangen. Bei diesem Manöver konnten sie eingekreist und gefangen genommen werden. Wer glücklich auf seiner Seite ankam, war in Sicherheit und durfte sich ausruhen. Wer noch im Besitz seiner Lanze war, versuchte, egal wo er sich befand, mit einem neuen Anlauf einen wehrfähigen Gegner aus dem Sattel zu stechen bzw. wehrlose Ritter gefangen zu nehmen.

Der variationsreiche Lanzenkampf im Turnei unterschied sich von dem des einfachen Tjostes. Denn Lanzenführung, Deckung des Reiters und Führung des Pferdes waren verschieden, je nachdem, ob man den Gegner in der Gruppe nach einem längeren Anlauf angriff (Stich zem puneiz), von der Seite anfiel (Stich ze triviers, à travers) oder ihn gar verfolgte (Stich zer volge). Es machte auch einen Unterschied, ob man mit einem kurzen Anritt (Stich z'entmouten) oder mit weitem Anlauf (Stich ze rehter tjost) auf den Gegner lospreschte.

Eine Gefangennahme drohte vor allem den vom Pferd gefallenen Herren, wenn es ihren Knappen (Kipper) nicht gelang, sie rechtzeitig vom Turnierfeld zu schaffen. Der erste Waffengang war vorüber, wenn eine Gruppe keinen wehrfähigen Ritter mehr im Sattel hatte.

Danach setzten andere Ritter beider Gruppen den Lanzenkampf solange fort, bis die Schar der Gegner durch Gefangennahme Einzelner so geschwächt war, dass sie aufgeben musste oder ein Trompetensignal der Turnierleitung den ersten Teil des Turneis beendete. Diese Lanzenkämpfe konnten viele Stunden dauern, da es den Rittern erlaubt war, das Pferd und die Lanze zu wechseln sowie sich selbst zu erfrischen. Sie durften das Turnierfeld verlassen und sich im Schatten eines Baumes ausruhen, mussten aber in Sichtweite bleiben. Hatten sie ein paar Augenblicke verschnauft, konnten sie sich mit neuer Energie in das Kampfgetümmel. stürzen.

Schwertkampf

Im zweiten Teil des Turneis wurde mit dem Schwert gekämpft. Die Scharen ordneten sich, die Knappen legten ihren Rittern das meist stumpfe Turnierschwert in die Hand und jetzt sprengten alle aus beiden Gruppen aufeinander los. Der Schwertkampf galt bei Rittern, die im Zeichen der Ehre oder der Minne kämpften, als wenig ehrenhaft und wurde bei manchen Turnieren ausgelassen. Doch neben diesen "edlen" Rittern kämpften auch hart gesottene Haudegen, die ganz auf ihr Schwert und die Stärke ihrer Pferde vertrauten und nur wegen der Beute in den Turnei zogen. Sie versuchten mit allen Mitteln, den Gegner kampfunfähig zu machen, seinen Schild in Stücke zu hauen, ihm das Schwert aus der Hand zu winden, ihn mit Hieben auf den Helm zu betäuben, den Helm vom Kopf zu schlagen oder die Zügel aus der Hand zu reißen. Mit Hilfe der Knappen wurde der Wehrlose umzingelt, von seinen Mitstreitern getrennt und vom Sieger am Zaum fortgezerrt. Wer so "gezäumt" war, der wurde, wie vornehm er auch sein mochte, vom Sieger und dessen Knappen nicht mit Samthandschuhen angefasst. Die Knappen, die innerhalb der Schranken einen Knüppel mit sich führen durften, hatten das ausdrückliche Recht, den Gezäumten auf seinem Pferd mit Knüppelhieben vom Turnierfeld zum Zelt ihres Herrn zu treiben. Die Freunde des Gezäumten konnten innerhalb der Schranken versuchen, ihn aus der schmählichen Lage zu befreien. Um die Gefangenen entbrannte, so ist dies auf zeitgenössischen Turnierdarstellungen zu sehen, ein erbittertes Ringen, Drängen und Schieben.

Erst seit dem 15. Jahrhundert begann die Turnierbuchliteratur aufzublühen. Berühmte Turnierbücher des 16. Jahrhunderts sind etwa das Augsburger Turnierbuch (1518), das "Handbuch eines christlichen Ritters" von Erasmus von Rotterdam (1520), das Rüxnersche Turnierbuch (1530) und das Turnierbuch Herzog Wilhelms IV. von Bayern (1541).

Gefangennahme und Lösegeld

Wer beim Turnei in Gefangenschaft geriet, musste dem Sieger "Sicherheit geben", d.h. er hatte ihm in der Regel Pferd und Rüstung auszuhändigen oder schuldete ihm einen entsprechenden Geldbetrag, mit dem er sich auslösen konnte. Da viele Ritter, die Ross und Rüstung verloren hatten, nicht genügend Geld besaßen, um die teuren Rittersachen zu ersetzen, ging man dazu über, bereits vor Turnierbeginn eine angemessene Summe festzulegen, mit der sie sich freikaufen konnten.

Vornehme, auf Ruhm und Ehre bedachte Ritter ließen ihre Gefangenen großmütig frei oder verschenkten die erzielten Lösegelder an Bedürftige. Weniger edelmütige Ritter betrachteten Turniere vornehmlich als Einkommensquelle. Sie zogen von Turnier zu Turnier, nahmen möglichst viele Gefangene und gelangten mit Hilfe der Lösegelder bzw. des Verkaufs der erbeuteten Rüstungen und Pferde zu teilweise beachtlichem Reichtum.

Der berühmte "Turnierprofi" Ritter William Marshall soll im 13. Jahrhundert im Verlauf von zwei Jahren 103 Ritter gefangen genommen haben. Vom Reichsmarschall William von Pembroke wird berichtet, er habe während der Jugendzeit des späteren englischen Königs Henry III. (1216-1272) mit Lösegeldern beträchtliche Summen erzielt.

(Text: Stefan Grathoff)

Turnier

Ritterlicher Wettkampf

Als Berufskrieger musste sich der Ritter ständig im Umgang mit den Waffen üben: Speerwerfen, Ringen, Springen, Wettlauf, Bogenschießen und Steinstoßen. Vor allem ließ er keine Gelegenheit aus, den Schwertkampf und den Stoß mit der Lanze zu trainieren. Natürlich wollte er seine Kräfte auch mit fremden Rittern und unter kriegsähnlichen Bedingungen erproben. Hierfür bot das Turnier ausreichend Gelegenheit, denn es war der ideale Ort zur Vorbereitung auf den Ernstfall.

Turnose

Auch Turnosegroschen oder Turnos, ist eine Bezeichnung für den franz. Gros tournois und seine Nachahmungen und Beischläge von deutschen und niederländischen Münzständen. Seit dem ausgehenden 13. Jh. wurden Nachahmungen der französischen Groschenmünze geprägt, die sich zunächst noch weitgehend an das Münzbild des Vorbilds (Chatel tournois im beschrifteten Doppelrand) hielten. Die franz. Groschenmünzen und ihre Nachahmungen liefen zunächst im niederländischen, westdeutschen und südwestdeutschen Raum um. Im 14. Jh. erschien eine Vielzahl von silbernen Groschen mit Darstellungen von Wappen, Heiligen und Münzherren, die sich weit vom ursprünglichen Münzbild entfernt hatten, aber noch alle Turnosen genannt wurden. Sie galten 24 Pfennige oder 2 Schillinge und wogen etwa 3,9 bis 4 g (um 920/1000 fein). Der Turnosegroschen spielte für den Münzumlauf des west- und südwestdeutschen Raums in der 1. Hälfte des 14. Jh.s eine große Rolle und wurde erst in der 2. Hälfte des Jh.s durch den Albus verdrängt. Die in großen Mengen geprägten Prager Groschen aus Böhmen und die Meißner Groschen gingen auch aus franz. Gros tournois hervor und wurden ursprünglich auch als Turnosegroschen bezeichnet.

Den Turnosen gab es auch als abstrakte Rechnungseinheit. Gerne gaben die Erzbischöfe mehr Zollbeträge an Dritte aus, als dort überhaupt eingingen. Deshalb verfiel man auf das Verfahren, Gläubigern nicht feste Geldbeträge anzuweisen, sondern ihnen nur einen prozentualen Anteil (einen Turnosen) an den eingehenden Geldern zu versprechen. Gingen am Zoll z.B. am Tag 100 Mark ein, so erhielt der Gläubiger hiervon vielleicht 10 %, also 10 Mark. Dieses Geld durfte er als Abschlagszahlung entnehmen. Den Turnosen durfte er so lange kassieren, bis ihm die Schuld vollständig ausbezahlt war. Je geringer also die Zolleinnahmen ausfielen, um so länger musste der Gläubiger auf sein Geld warten.

 

turris speculatoris

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Burgus.