Bibliothek

Glossar: Buchstabe D

Dachdecker

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Zimmerleute

Dacherker

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Erker.

Dachreiter

Schlankes (meist hölzernes) Türmchen auf dem Dachfirst. Von den Zisterziensern im 13. Jahrhundert eingeführt, dann auf Predigerkirchen, ersetzt bei den gotischen Kathedralen manchmal den Vierungsturm, weil der Turmbau auf die Westfassade konzentriert wird.

Dansker (Danziger)

Aborterker (Abortturm) der Burgen des Deutschen Ordens. Der Dansker befand sich aus hygienischen Gründen außerhalb der eigentlichen Burganlage über einem fließenden Gewässer und war durch einen gesicherten Gang mit der Burg verbunden.

Deambulatorium

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Chor

Deckzeug

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen

Dekan

Vorsteher einer Gruppe von Mönchen

In der katholischen Kirche war der Dekan ursprünglich der Vorsteher von zehn (lat. decem) Mönchen. Seit dem 9. Jahrhundert steht er an der Spitze des Dekanats. Aus dessen Pfarren wurde er vom Bischof (oft auch vom Domkapitel, im Mittelalter auch vom Archidiakn) ernannt. Er war die Instanz zwischen Bischof und der Pfarrgeistlichkeit, mit der gesamten geistlichen und administrativen Aufsicht betraut, insbesondere Vorsitzender des Landkapitels. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts wurde die Stellung des Dekans durch den Offizial mehr und mehr eingeschränkt. Von der protestantischen Kirche wurden die Dekane in einigen Ländern übernommen, entsprechen in ihren Befugnissen aber nicht immer den katholischen.

Denar (mittelalterlich)

Mittelalterliche Münze

Silberne Pfennigmünze im Mittelalter, die nach den zentralistischen Münzreformen der Frankenkönige Pippin (751-768) und seines Sohnes Karls des Großen (768-814) im ausgehenden 8. Jh. zur Hauptmünze des Früh- und Hochmittelalters wurde. Aus einem Karlspfund zu etwa 408 oder 409 g wurden 240 Stück sog. karolingischen Denare geschlagen. Da die Münzen aber al marco ausgebracht wurden, schwankte das Gewicht der einzelnen Stücke erheblich um das Durchschnittsgewicht von 1,7 g. Innerhalb der autarken dörflichen Gemeinschaften benötigte man in dieser Zeit nur wenig Geld für den Umlauf, sogar Abgaben wurden in Naturalien geleistet. Deshalb wurde der Denar vorwiegend als Fernhandelsmünze gebraucht. Dies belegen die hohen Fundzahlen von Denaren in Skandinavien, im Gegensatz zu den geringen Fundzahlen in Mitteleuropa. Der Denar blieb, außer einem selten geprägten Halbstück (Obol), praktisch das einzige Münznominal im riesigen Frankenreich und darüber hinaus. Daher ist die lat. Bezeichnung Denarius gelegentlich in der allgemeinen Bedeutung für Geld (lat. eigentlich: moneta) auf mittelalterlichen Dokumenten anzutreffen.

Mit zunehmender Verleihung des Münzrechts an Äbte, Bischöfe, Grafen, Herzöge usw. vom 11. Jh. an begann die Zersplitterung des deutschen Münzwesens. Diese Entwicklung führte, in Verbindung mit der zeitgleichen Städtegründungsperiode, zur Ausprägung der kunstgeschichtlich bedeutenden Brakteaten. Die Unmöglichkeit einer ausreichenden Kontrolle der vielen Münzstätten und die häufigen Münzverrufungen bahnten eine ungünstige Entwicklung an. Die verschiedenen Pfennige verschlechterten sich so sehr, dass das Raugewicht im ausgehenden 13. Jh. an manchen Orten nur noch 0,3 bis 0,5 g erreichte. Die meisten Pfennige hatten nur noch regionale oder lokale Bedeutung, von wenigen Ausnahmen (z. B. den Kölner Denaren) abgesehen.

Seit dem 13. Jh. wurden Pfennigvielfache geprägt, die je nach Region verschiedene Wertigkeit hatten. Schließlich drängte die Groschenwährung den Denar allmählich zurück. Die Entwicklung des deutschen Denars siehe unter Pfennig, des englischen unter Penny, des französischen unter Denier, des italienischen unter Denaro.

Denar (römisch)

Römische Münze

Eigentlich Denarius war für ca. 400 Jahre die Hauptsilbermünze Roms. Die Einführung des Denars wird nach neueren Erkenntnissen in die Zeit des Zweiten Punischen Kriegs datiert. Man nimmt an, dass im Rahmen einer Münzreform um 211 v.Chr. mit dem Denar auch der silberne Quinar und der Sesterz eingeführt wurden. Der Name Denar oder Denarius leitet sich aus dem lateinischen deni (je zehn) ab, zu ergänzen wäre Asses. Denn der Denar wurde mit 10 Assen bewertet, die zu dieser Zeit als AE-Münzen im Sextantarfuß geprägt wurden. Die ersten Denare zeigen auf den Vs.n das behelmte Kopfbild der Roma mit dem römischen Zahlbuchstaben X (10) dahinter, auf den Rs.n die Dioskuren auf galoppierenden Pferden, darunter die Schrift ROMA. Als die Asse schließlich im Unzialfuß (27,3 g) ausgegeben wurden, stieg unter Tribun G. Gracchus (123-122 v.Chr.) der Wert des römischen Denars auf 16 Asse, bei einem Gewicht von 3,89 g. Zwar wurden seitdem auch Denare mit der Wertbezeichnung XVI geprägt, aber nicht konsequent. Kurzzeitig könnte also eine Art Doppelbewertung existiert haben. Mit dem unter Caesar in größeren Mengen geprägten Aureus gewann die Goldwährung immer mehr an Bedeutung, die Silberwährung verschlechterte sich. Unter Nero wurde der Denar auf 1/96 röm. Pfund, also auf 3,41 g abgesenkt. Die drastische Verschlechterung des Denars unter Kaiser Septimius Severus (193-211 n.Chr.) führte schließlich 214 n.Chr. zur Einführung eines Doppeldenars (Antoninian) unter Kaiser Caracalla. Nach dem Verfall der Silberwährung taucht der Denar seit dem späten 3. Jh. n.Chr. nur noch als Rechnungseinheit auf.

Dendrochronologie

Verfahren der Altersbestimmung

Die Dendrochronologie (vom griechischen dendros = Baum, chronos = Zeit und logos = Kunde) ist ein zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entwickeltes Verfahren zur Datierung von Holz unbekannten Alters durch Vergleich seiner Jahresringmuster mit einem "Baumringkalender". Dieser wurde durch Korrelation teilweise gleichzeitiger Jahrringfolgen im Laufe jahrzehntelanger Forschung erstellt.

Entdeckt wurde sie von dem jungen Astronomen Andrew Eliott Douglass aus Flagstaff, Arizona. Eigentlich suchte dieser nach einem Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Klima. Dafür vermaß er die Dicke der Jahresringe an alten Kiefern und trug diese Dicke in ein Diagramm ein. Dadurch erstellte er eine Datensammlung für die letzten 585 Jahre, indem er die extrem schmalen und breiten Jahrringe auf einer Zeitskala zur Deckung brachte. 1929 gelang ihm der Durchbruch, als er die Jahrringmuster archäologischer Fundhölzer in den älteren Abschnitt seines Kalenders einhängen konnte. Somit war der Aufbau einer längeren Jahrringchronologie geschafft.

Das Zellbildungsgewebe (Kambium) im Holzkörper der Bäume beginnt im Frühjahr zunächst mit der Anlage verhältnismäßig weiter Gefäßbündel (Frühholz) und beendet seine Tätigkeit im Sommer mit der Ausbildung enger Leitstränge (Spätholz). in Querschnitten ist dieser jährliche Radialzuwachs als Jahresring sichtbar. Anhand der Jahresringe kann man das Lebensalter eines Baumes bestimmen sowie Informationen über seine Wuchsbedingungen erhalten. Für die Archäologie und Baugeschichtsforschung ist die Dendrochronologie von besonderer Bedeutung, weil sich historische Hölzer mit Hilfe dieser Methode exakt datieren lassen. Sobald Splintholz, die äußeren, heller gefärbten Zuwachsschichten eines Baumes, erhalten ist, kann der Fällungszeitraum bis auf wenige Jahre eingegrenzt werden.

Die Waldkante, der definitiv letzte Jahresring, den der Baum vor der Fällung angelegt hat, datiert exakt das Jahr der Fällung. Während man heute beim Bau mit Motorsägen, -fräsen und -bohrern auch älteres, hart gewordenes Holz bequem bearbeiten kann, war das früher sehr viel schwieriger und deshalb nicht üblich. Bauholz wurde im Mittelalter grundsätzlich während der Vegetationsruhe geschlagen und frisch verarbeitet. Daher entsprechen die dendrochronologischen Daten der Hölzer in der Regel auch dem Zeitpunkt ihrer Verwendung am Bau.

Wie erstellt man eine Dendrochronologie?

  • Schritt 1: Nach Präparierung der Holzoberfläche werden die Jahresringbreiten mit einem speziellen Gerät vermessen, einem Auflichtmikroskop, und zwar mit einer Genauigkeit von 0.01 mm.
  • Schritt 2: Durch graphische Umsetzung der Ringbreiten entsteht ein Kurvenmuster. Die Kurvenmuster verschiedener Bäume werden verglichen.
  • Schritt 3: Ist eine passende Position gefunden, wird rechnerisch eine Mittelkurve gebildet.
  • Schritt 4: Die Mittelkurve wird zur Deckung mit dem Jahrringkalender gebracht. Dies geschieht heutzutage mit statistischen Computerprogrammen. Für einen besseren Vergleich werden die Kurven geglättet.
  • Schritt 5: Die Datierung wird von der Endposition der Jahrringkurve im Kalender abgeleitet. Damit die Zeitangabe jahrgenau ist, muß der letzte Wuchsring vorhanden sein, die Waldkante.

 

Eine Dendrochronologie kann immer nur für eine bestimmte Baumart erstellt werden. Man nimmt solche Baumarten, die auf Klimaveränderungen sehr stark reagieren. Außerdem müssen auch beim Standort einige Dinge beachten werden: Man verwendet nur Bäume, die an Standorten gewachsen sind, an denen keine menschlichen Einflüsse vorhanden sind, wie z. B. Abgase, Müll oder Spritz- und Düngemittel.

 

Quelle: Sybille Bauer (aus: Lebendiges Rheinland-Pfalz III-IV (2003), S.13); redakt. Bearb.: S.G.

 

Weitere Informationen: http://www.archaeologie-online.de/links/85/93/320/index.php

 

 

Deutscher Orden

Geistlicher Ritterorden

Der Deutscher Orden, auch "Deutschritterorden", "Deutschherrenorden" oder "Kreuzritterorden", lateinisch "Ordo domus Sanctae Mariae Theutonicorum", ist ein 1190 während der Belagerung von Akko im Rahmen des 3. Kreuzzuges von Bremer und Lübecker Kaufleuten gegründeter Krankenpflegeorden, der 1199 in einen geistlichen Ritterorden mit Sitz in Akko umgewandelt wurde. Ordenszeichen war das schwarze Kreuz auf weißem Mantel.

Neben den Templern und den Johannitern war der Deutsche Orden der dritte der großen mittelalterlichen Ritterorden, die während der Kreuzzüge gegründet wurden. Das Zentrum der Aktivitäten des Ordens verlagerte sich bereits im frühen 13. Jahrhundert vom Heiligen Land ins Baltikum: 1226 bat Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden unter seinem Hochmeister Hermann von Salza um Hilfe gegen die heidnischen Pruzzen (Preußen) und überließ ihm dafür das Culmer Land (nach Kulm, heute Chelmno) in Ostpreußen. Kaiser Friedrich II. ermächtigte den Orden 1226 in der Goldbulle von Rimini, das heidnische Gebiet im Norden zu erobern, die Bewohner zu bekehren und selbst die Herrschaft in dem eroberten Gebiet auszuüben. Damit war die Grundlage für den Deutschordensstaat geschaffen.

Bis 1280 hatte der Orden die Pruzzen besiegt; daneben konnte er sich dank seiner Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden 1237 in Livland festsetzen, 1308 erwarb er Pomerellen mit Danzig, 1346 Estland, 1398 Gotland, und mit dem Erwerb der Neumark 1402 hatte das Territorium des Ordens seine größte Ausdehnung erreicht. 1309 verlegte der Orden den Sitz seines Hochmeisters von Venedig, wo er seit 1291 residierte, nach Marienburg in Westpreußen.

Der Ordensstaat entwickelte sich zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht im Ostseeraum, und seine wichtigsten Städte, u.a. Danzig, Thorn, Königsberg, gehörten der Hanse an. Als die Christianisierung des Baltikums abgeschlossen und die Missionsaufgabe des Deutschen Ordens erfüllt war, geriet der Orden zunehmend in Gegensatz zu Polen, das in Personalunion mit Litauen, wo der Deutsche Orden nie hatte Fuß fassen können, verbunden war. 1410 unterlag das Ordensheer bei Tannenberg einem polnisch-litauischen Heer, und der Orden musste im 1. Thorner Frieden von 1411 Gebietsverluste hinnehmen. Nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit den preußischen Ständen, die von Polen unterstützt wurden, musste der Orden im 2. Thorner Frieden von 1466 die Pomerellen mit Danzig, Marienburg, das Culmer Land und das Ermland an Polen abtreten und die Oberhoheit des polnischen Königs über das restliche ostpreußische Ordensland anerkennen; der Sitz des Hochmeisters wurde nach Königsberg verlegt.

1525 wandelte der letzte Hochmeister des Ordens, Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, das preußische Ordensland in ein erbliches, säkularisiertes Herzogtum unter polnischer Lehenshoheit um, was von Kaiser, Papst und Deutschmeister jedoch nicht anerkannt wurde.

Im Heiligen Römischen Reich bestand der Orden weiter bis zu seiner Auflösung durch Napoleon 1809. In Österreich wurde er 1834 als "Hoch- und Deutschmeister" wiedergegründet und konzentrierte sich in erster Linie auf Wohltätigkeitsarbeit. 1929 wurden die Hoch- und Deutschmeister in einen rein geistlichen Orden umgewandelt, von 1938 bis 1945 war der Orden verboten, 1945 wurde er in Österreich und der Bundesrepublik wieder belebt.

An der Spitze des Deutschen Ordens stand der Hochmeister, der jeweils auf Lebenszeit gewählt wurde; ihm zur Seite standen fünf Großgebietiger: der Großkomtur als Statthalter des Hochmeisters, der Marschall mit Zuständigkeit für das Heerwesen, der Tressler in der Funktion des Schatzmeisters, der Trapier in Verantwortung für die Ausrüstung und der Spittler als Leiter des Hospitalwesens. Daneben gab es einige Provinzialobere: den Deutschmeister für die zwölf deutschen Ordensballeien, der seit 1494 Reichsfürst war, und seit 1525 nach der Säkularisierung des Ordensstaates, das Hochmeisteramt verwaltete und daher später auch als Hoch- und Deutschmeister bezeichnet wurde; den Landmeister für Livland sowie Landkomture für die Ordensgebiete außerhalb Deutschlands. Der Orden setzte sich aus dem Mönchsgelübde verpflichteten Priester- und aus Ritterbrüdern zusammen sowie aus dienenden Halbbrüdern.

 

Quelle: www.heiligenlexikon.de

 

 

Diakon

Seelsorger

Nach der Reformation in den protestantischen Kirchen vor allem Armen- und Krankenpfleger, dann überhaupt Organ der inneren Mission, teils Geistlicher zur Hilfe des Pfarrers, teils Laie. Neben den männlichen Diakonen gibt es auch weibliche Diakonissen.
Heute ist der Diakon ein Seelsorger, der zu bestimmten liturgischen Diensten befugt ist. Die Weihe des Diakons erfolgt durch den Bischof. Diakone gibt es als Durchgangsstufe auf dem Weg zur Priesterweihe und als eigenständiges Amt, das auch verheirateten Männern ab 35 offensteht, die dieses Amt haupt- oder nebenamtlich ausführen können.

Diözese

Sprengel eines Bischofs

Der Ausdruck Bistum bzw. das mittelhochdeutsche "bischoftuom" kam im Laufe des Mittelalters als Synonym zu dem Begriff Diözese auf, der im lateinischen Westen ab dem 5. Jahrhundert zur Bezeichnung eines Bischofssprengels verwendet wurde, ursprünglich aus dessen Stadt und dem umgebenden Land bestehend. Mehrere Diözesen sind einer Erzdiözese zugeordnet. Das Gebiet der Diözese wiederum ist in Pfarreien und Dekanate aufgegliedert.
In der protestantischen Kirche ist Diözese der Bezirk eines Dekans oder Superindenten, neben dem ein Diözesanausschuss aus Geistlichen und Laien steht.

Diplomatik

Lehre von der schriftlichen Überlieferung

Diplomatik - Aktenkunde - Archivkunde

Die Diplomatik wie auch die Aktenkunde beschäftigen sich mit der auf uns gekommenen schriftlichen Überlieferung aus rechtlichen, politischen oder auch wirtschaftlichen Geschäftstätigkeiten. Zumeist spricht man für das Mittelalter von Urkunden und Diplomen (daher Diplomatik), für die Neuzeit von Akten (daher Aktenkunde). Der Übergang zwischen beiden Bereichen ist fließend.

Rheinhessische Kanzleien wie etwa die erzbischöfliche Kanzlei in Mainz haben unvorstellbare Mengen an Urkunden und Akten produziert. Am Institut für geschichtliche Landeskunde in Mainz, an dem auch regioNet beheimatet ist, läuft ein großes Projekt zur Erschließung der Urkunden und Akten der Mainzer Erzbischöfe . Im Hauptstaatsarchiv Würzburg und im Archiv des Instituts werden die sog. Ingrossatürbücher der Mainzer Erzbischöfe aufbewahrt, Abschriften von Briefen und Urkunden, die die Mainzer Kanzlei während des Mittelalters und er frühen Neuzeit verlassen haben. Für den an rheinhessischer Geschichte Interessierten sind diese Folianten von unschätzbaren Wert, da bisher nur wenige Forscher Einblick in diese kostbare Quelle genommen haben.

Die Diplomatik gehört zu den sog. "Hilfswissenschaften"

(Text: Stefan Grathoff)

Dirnitz

Saal einer Burg

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Dürnitz

Divisorium

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Aquädukt.

Dolium

Römischer Tongefäßtyp

Ein Dolium (pl. Dolia) ist ein römischer Tongefäßtyp, der – ähnlich wie Amphoren – im gesamten ehemaligen Reichsgebiet des Imperium Romanum zu finden ist. Dolia besitzen einen kugeligen/bauchigen Gefäßkörper, der Boden wurde meist als Standplatte geformt und sie konnten mit großen Deckeln aus Holz oder Ton verschlossen werden. Sie besaßen ein deutlich größeres Fassungsvermögen als Amphoren und konnten je nach Größe bis zu 2500 Litern von beispielsweise Wein fassen. Aufgrund der Gefäßgröße dienten Dolia in erster Linie der Lagerung von Waren und weniger dem Transport. Die Innenseite und der Rand der Gefäße waren meist mit Pech ausgestrichen um die Haltbarkeit der eingelagerten Waren zu erhöhen. In der Regel wurde in den Dolia Wein gelagert und auch gegärt. Sie wurden aber auch als Lagergefäß für andere Waren, wie beispielsweise Wasser, Lehm, Kalk oder Farbe, verwendet. Dolia werden häufig in villae rusticae gefunden. Dort sind sie meist zur Kühlung der Ware in der Erde eingegraben. Hergestellt wurden die Dolia hauptsächlich im Mittelmeergebiet, in der römischen Kaiserzeit gab es aber wohl auch eigene Produktionsstätten in den Nordwestprovinzen des Imperiums.

Andere archäologisch nachgewiesene Verwendungszwecke der Dolia waren zum einen als Baumaterial zur Entlastung von Kuppeln und Gewölben. Die Fragmente der Gefäße wurden auch in Öfen, Herdstellen oder als Füllmaterial von Mauern und bei Ausgleichs- oder Planierschichten verbaut. Auch zur Trockenlegung und -haltung von Wohnräumen, also als Bodenunterfütterung wurden sie verbaut. Zum anderen wurden die Dolia auch als Urinale in Siedlungen und Militärlagern und als Bestattungsbehältnisse für Brandbestattungen sowie selten auch für Körperbestattungen verwendet.

 

Verfasser: Lutz Luckhaupt

Literatur:

  • Hanel, Norbert: Schwerkeramik. In: Thomas Fischer (Hrsg.): Die römischen Provinzen. Eine Einführung in ihre Archäologie. Stuttgart 2001, S. 300-302.

Dom

Bischofskirche

(lat. domus Dei = Haus Gottes), Bischofskirche, in Deutschland auch Hauptkirche einer Stadt ohne Bischof. In Süddeutschland auch Münster genannt.

Domäne

Staatsgut

Eine Domäne ist im Besitz des Staates befindliches Gut. Darunter zählen heute noch zahlreiche Forsten oder auch Weinbaubetriebe. In der Zeit der Säkularisation bestanden die Domänen im Rheinland aus den enteigneten und eingezogenen Gütern der Geistlichkeit, der aufgehobenen und feindlichen Staaten und der Flüchtlinge. Dabei fasste in dieser Zeit die Ordentliche Krondomäne die Besitzungen des Staates zusammen, während die Außerordentliche Krondomäne diejenigen umfasste, über die Kaiser Napoleon I. allein und uneingeschränkt verfügen konnte. (Quelle: nrw2000.de)

Domdekan

Domdechant

Der Domdechant, meist ein Weihbischof, ist im Domkapitel mit der Seelsorge beauftragt.

Domherr

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Domkapitel

Dominikaner

Geistlicher Orden

Gründer des Dominikanerordens (lat. Ordo fratrum Praedicatorum, OP) war 1214 der Spanier Dominikus Guzman aus Caleruega (1170-1221). In Südfrankreich wirkte er zusammen mit anderen Predigern gegen die Irrlehre der Katharer und entdeckte dabei seine fulminante Predigtbegabung. Gleichzeitig wurde ihm deutlich, dass nur ein glaubwürdiges Leben der Predigt Durchschlagskraft verleiht.

Dominikus verpflichtete sich daher der radikalen Armut. Zusammen mit seinen Predigergenossen ließ er sich später in Toulouse nieder. Die Gemeinschaft umfasste außer Dominikus selbst zunächst 16 Schüler. 1216 bestätigte Papst Honorius III. den Orden. Diese offizielle Anerkennung schloss gewisse Privilegien ein wie z. B. die Befugnis zur Verkündigung der Lehre und zum Abnehmen der Beichte. 1217 sandte Dominikus von Toulouse aus seine Mitbrüder nach ganz Frankreich und nach Spanien. Innerhalb von nur sechs Jahren gelangte der Orden auch nach England, wo sich in Oxford die erste Gemeinschaft bildete. Hier nannte man die Dominikaner "Black Friars", "Schwarze Brüder", weil sie auf ihren Wanderungen schwarze Kutten und Kapuzen über einer weißen, wollenen Tunika trugen. Ende des 13. Jahrhunderts gab es in England bereits 50 Häuser. Auch in Schottland, Irland, Italien, Böhmen, Russland, Griechenland und Grönland verbreitete sich der Orden schnell.

Zentrum der missionarischen Aktivitäten standen die Predigt und die Bekämpfung der "Ketzer". Die Kurie beauftragte die Dominikaner 1231 mit der Leitung der Inquisition, die sich während des ausgehenden Mittelalters mehr und mehr zum Instrument der politischen Machtentfaltung der katholischen Kirche entwickelte. Als sich die Inquisition in Spanien als eigenständiger Bereich der staatlichen Regierung etablierte, stand weiterhin ein Dominikaner an ihrer Spitze. Das Amt des päpstlichen Theologen, das der Papst 1218 eigens für Dominikus geschaffen hatte, blieb stets in den Händen eines Ordensmitglieds. Ab 1620 durfte der "Meister des Heiligen Palastes" u. a. die Druckerlaubnis oder das Verbot für sämtliche kirchlichen Bücher erteilen. Wegen ihrer Tätigkeit während der Inquisition wurden die Dominikaner auch in einem Wortspiel "Domini canes", "Spürhunde des Herrn", genannt.

Erst nach Dominikus Tod bildeten sich die Zielsetzungen des Ordens heraus: Zum einen das Leben in Armut und Gehorsam nach den monastischen Regeln, in der Nachfolge Jesu unterwegs als Wanderprediger. Zum andern Schulung und Volksbildung, speziell für die sich herausbildenden städischen Zentren und neuen Bildungsschichten. Die Dominikaner gelobten absolute Armut und verzichteten auch auf jede Form des Gemeinschaftsbesitzes. Viele Dominikaner bekleideten hohe kirchliche Funktionen; vier Päpste, Innozenz V., Benedikt XI., Pius V. und Benedikt XIII., sowie über 60 Kardinäle gehörten dem Orden an. Darüber hinaus brachten die Dominikaner bedeutende Maler hervor. Auch im Bereich der religiösen und philosophischen Literatur leisteten die Dominikaner Bedeutendes, nicht zuletzt durch Theologen wie Thomas von Aquin und Albertus Magnus.

Im ausgehenden Mittelalter verfügten nur die Franziskaner über einen ähnlich starken Einfluss, die beiden Orden teilten sich viele Machtbereiche innerhalb der Kirche und in den katholischen Ländern. Häufig erregten sie damit den Zorn von Pfarrern in den Gemeinden, die sich in ihren Rechten beschnitten sahen. Großen Anteil hatten die Dominikaner auch an der Missionierung der Neuen Welt. Die erste amerikanische Heilige, Rosa von Lima, gehörte dem Dritten Orden an. 1205, noch bevor der männliche Teil des Ordens gegründet worden war, stiftete Dominikus den weiblichen Zweig, der sich selbst jedoch als Zweiten Orden bezeichnete. 1220 gründete er die Soldaten Jesu Christi, eine Laienbewegung, die kirchliche Besitztümer mit Waffengewalt vor Angriffen der Albigenser und anderer religiöser Neuerer schützen sollte. Im späten 13. Jahrhundert vereinigten sich die Mitglieder dieser Abteilung mit einer anderen Gruppe von Laien zum Dritten Orden, den Tertiariern.

Dominikaner tragen eine weiße, gegürtete Tunika mit weißem Skapulier und schwarzem Mantel mit Kapuzenkragen.

Quelle: www.heiligenlexikon.de

 

 

Domkapitel

An der Bischofskirche wirkender Klerus

Unter einem Domkapitel versteht man die korporativ verfasste Gemeinschaft des an einer Bischofskirche (Kathedrale) wirkenden Klerus.

Wesentliche Funktionen der Domkapitel waren die feierliche Gestaltung des Gottesdienstes in der Domkirche, die Wahl des Bischofs (oft in Konkurrenz zum Papst oder weltlichen Gewalten), die Beratung des Bischofs sowie die Teilnahme an der geistlichen und weltlichen Bistumsverwaltung. Diese Rechte wurden später oft durch Wahlkapitulationen abgesichert und verschafften den Domherren wichtige Ämter. Seit dem 6. Jahrhundert schlossen sich die Mitglieder dieser Gemeinschaften nach mönchischem Vorbild zu einem "collegium canonicorum" mit einer "vita canonica" zusammenschlossen. Das Aachener Konzil von 816 unterstellte alle Kleriker einer Kathedrale bzw. Kollegiatkirche dieser Norm. Die Mitglieder (Domherren, Domkapitulare) behielten ihr Privateigentum und lebten nach festen Regeln. Nachdem im 9. Jahrhundert die vita canonica mehr und mehr verfallen war, galten die Domherren als Säkularkanoniker, im Gegensatz dazu die um 1100 reformierten als Regularkanoniker. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es die Domherren (Vollkanoniker) mit dem Recht auf einen bestimmten Sitz im Chor, auf Unterhalt aus der "mensa" und auf Präsenzgelder auf Stiftungen. Die Zahl der Domherren betrug zwischen 20-30 Personen. Ihre gelebte "vita communis" endete bereits im 12. Jahrhundert. Die Korporation ergänzte sich damals selbst. Im Spätmittelalter wurden mehr und mehr Domherren auch durch päpstliche Provision, teils auch von weltlichen Mächten bestimmt. Eine herausgehobene Stellung hatten die Dignitäre und v.a. der Vorsteher des Domkapitels, der Propst.

Dompropst

Vorsteher des Domkapitels

lat. praepositus = Vorgesetzter. Zusammen mit dem Domdechanten (Domdekan) einer der Dignitäre (Würdenträger) des Domkapitels, welchem er vorsteht.

Donjon

Eine besondere Bauform des Wohnturmes

Die Bauform des Wohnturmes entstand in Spanien und im normannisch geprägten Süditalien und wurde Ende des 12. Jahrhunderts nördlich der Alpen übernommen. Anders als in Deutschland residierten in Frankreich viele Adelige in einem Wohnturm, Donjon genannt.

Der ursprünglich viereckige Donjon war mehrgeschossig. Seine Außenwände waren nicht glatt, sondern meist mit aufgesetzten Bauteilen verziert, häufig mit pfeilerartigen Mauerstreifen, sog. Lisenen. In späterer Zeit wurden teilweise kleine Türme auf die Ecken des Gebäudes gesetzt. Die dicken Mauern waren oft von Treppen, Kammern und Laufgängen durchzogen. Der Donjon stand meist frei im Zentrum einer Kernburg. Typisch für die Bauweise war, daß sich der Wohnbereich von der Vorburg mit dem Wirtschaftshof abgrenzte. Im 12. Jahrhundert ging man dazu über, runde Donjons zu errichten. Da man mehr Wert auf wehrtechnische Gesichtspunkte legte, wurden der Innenraum und die Fensteröffnungen verkleinert. Somit wurde der Donjon dem deutschen Bergfried immer ähnlicher. Am Ende der Entwicklung stand ein Turmbau, der gekennzeichnet war durch einen runden Grundriß, die Wölbung der einzelnen Geschosse und Wendeltreppen in der nur noch von Lichtschlitzen durchbrochenen Außenmauer.

Gleichzeitig wurde der Befestigungsgürtel um die Kernburg verstärkt. In der Zeit König Philipp II. August (1179-1223) bildete sich die typische kastellartige Anlage. Der Donjon stand nicht mehr in der Mitte, sondern aufgrund seiner wehrhaften Bauweise aus strategischen Gründen in einer Ecke der Anlage.

Doppeladler

Ornament

Ornament in Form eines Adlers mit zwei voneinander abgewendeten Köpfen. Die älteste bekannte Darstellung eines Doppeladlers befindet sich auf einem babylonischen Rollsiegel (um 2300 v. Chr.). Bei den Hethitern war der Doppeladler gleichfalls üblich, wie Siegelabdrücke erkennen lassen (1250 v. Chr.). Später war der Doppeladler vor allem das Zeichen von Byzanz und kam, etwa durch die Heirat byzantinischen Prinzessinnen, u. a. zu den Seldschuken. Zu finden sind Doppeladler heute noch z. B. in seldschukischen Moscheen (Divrigi/Türkei). Die doppelköpfigen Adler sollten vermutlich eine symbolische Schutz- und Wächterfunktion ausüben und Unbefugte abschrecken. Aus dem Orient gelangte das Motiv durch die Kreuzfahrer nach Europa. Die früheste europäische Darstellung aus der Zeit um 1180 n. Chr. stammt aus dem Kloster St. Emmeram in Regensburg. Die Habsburger verwendeten den Doppeladler erstmals am 16. März 1365 als Siegel. Seit 1433 war das Wappentier Bestandteil des deutschen Reichswappens. Im 15. Jahrhundert übernahm auch der Zarenhof den Doppeladler als Herrschaftssymbol. In weiterer Folge sind mehr oder weniger stilisierte Doppeladler auf vielen Wappen zu finden; der Doppeladler war auch Symbol des römisch-deutschen Kaiserreichs und der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Doppelhaken

Geschütztyp

Der Doppelhaken war doppelt so groß wie die einfache Hakenbüchse. Außerdem hatte er nicht nur einen, sondern zwei Hähne, die in entgegengesetzter Richtung niederschlugen. Dieses Geschütz musste wegen seines enormen Gewichtes und seines gefährlichen Rückstoßes auf einen Bock montiert werden, der zusätzlich am Boden verankert wurde. Der Doppelhaken wurde vor allem zur Verteidigung der Burgwälle genutzt und hatte eine Länge von bis zu zwei Metern. Mit seinem Rohr konnten bis zu 15 kg schwere Stein-, Blei- oder Eisenkugeln abgeschossen werden.

Weitere Informationen erhalten sie unter dem Stichwort "Geschütze".

(Text: Stefan Grathoff)

Doppelkapelle

Kapelle auf der Burg

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Burgkapelle

Dorische Säulenordnung

Form von Säule und Kapitell

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Kapitell.

Dormitorium

Schlafsaal im Kloster

Das Dormitorium (lat. dormire = schlafen) ist der Schlafsaal eines Klosters. Bis zum späten Mittelalter schliefen alle Angehörigen eines Klosters in einem Gemeinschaftsschlafsaal, nur Abt bzw. Äbtissin hatten eigene Schlafräume. Später wurden in Dormitorien auch einzelne Zellen für die Mönche/Nonnen eingerichtet.

Dorsale

Teil des Chorgestühls

Dorsale kann zum einen die Rückwand des Chorgestühls sein (Chor), die architektonisch gegliedert und oft mit Baldachinen versehen ist. Sie war meist aus Holz, aber, vor allem in Frankreich auch aus Stein. Das früheste Beispiel hierfür findet man im Dom von Trier, das großartigste im Naumburger Westchor.
Zum anderen wird auch der textile Behang des Chorgestühls als Dorsale bezeichnet. Ein Dorsale konnte dann gewirkt, gestickt oder auf Leinen gemalt sein.

Dotation

Dotationen sind finanzielle Ausstattungen für bestimmte Personen oder Einrichtungen. Diese Ausstattungen bestanden in der Zeit Napoleons etwa für die Ehrenlegion, verdiente Persönlichkeiten, wie den Fürsten von Wagram, oder auch das Pariser Waisenhaus sowie Einrichtungen für Soldaten und Veteranen. Dabei haben die bedachten Einrichtungen und Personen lediglich das Nutzungsrecht an den Dotationsgütern oder deren Einkünften, während das Eigentumsrecht beim Staat blieb.
(Quelle: nrw2000.de)

Dreifelderwirtschaft

Bodennutzungssystem

System der Felderwirtschaft, bei dem im regelmäßigen Wechsel ein Drittel des Ackerareals mit Wintergetreide und ein drittel mit Sommergetreide bestellt wurde; das letzte Drittel blieb als Brachfeld liegen. Im weiteren Sinne bezieht sich die Dreifelderwirtschaft auf die Fruchtfolge und nicht auf die Aufgliederung des Feldes. Im engeren Sinne bezeichnte sie eine mit Zelgen verbundene Dreifelderwirtschaft. Hierbei war die Ackerfläche einer Dorfgemarkung in drei Felder unterteilt und wurde in einem dreijährigen Rythmus von den Bauern des Dorfes bebaut.

Dupondius

Römische Münze

Münze im alten Rom. 1 Dupondius hatte 2 Ass.

Dürnitz

Saal einer Burg (auch Dirnitz)

Im ausgehenden Mittelalter wurden aus slawisch dorniza ("beheizte Stube") die Bezeichnung "Dirnitz", "Dürnitz" oder "Türnitz" für einen beheizbaren Erdgeschoßsaal entlehnt und schließlich damit bisweilen ein ganzer Saalbau (Speisesaal, Aufenthaltsraum für Gäste, Versammlungsraum) bezeichnet. Der Ausdruck wird gelegentlich auch für Kemenate gebraucht.

Dynastenburg

Burg eines Herrschergeschlechtes, Verwaltungimittelpunkt eines Fürstentums.

Dynastie

Herrscherhaus

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Herrscherhäuser