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Glossar: Buchstabe O

Obergaden

Kirchenfenster

auch als Lichtgaden bezeichnet; Obergaden ist eine von Fenstern durchbrochene, über die Seitenschiffe aufsteigende Hochwand des Mittelschiffs einer Basilika, das durch die Fenster belichtet wird. Entweder liegt der Obergaden oberhalb der Arkaden zu den Seitenschiffen oder über den Seitenschiffemporen und dem Triforium.

Offenhaus

Zugangsrecht zu einer Burg

Unter Öffnung einer Burg versteht man die Verpflichtung des Besitzers einer Lehens- oder Pfandburg, dem Eigentümer der Burg ein Zugangsrecht zu gewähren, denn Lehns- oder Pfandherren durfte ihre Burg ohne Erlaubnis nicht betreten. In den Verträgen wurde genau festgelegt, bei welchem Anlaß, zu welchen Zeiten und mit welchen Personen der Lehnsherr die Burg betreten und als Stützpunkt benutzen durfte. Die Zahl der zugangsberechtigten Personen war genau geregelt. Der Burgöffner konnte auch die Personen nennen, die von seiner Burg aus nicht angegriffen werden durften. Dies waren meist der König, seine Verwandten und Verbündeten. Für die Erlaubnis zahlte er dem Vasallen eine vereinbarte Geldsumme oder er beteiligte ihn an der zu erwartenden Beute. Für den Lehnsmann barg die Öffnung ein beachtliches Risiko, denn er wurde nicht nur in die Fehde seines Herrn hineingezogen, sondern auch seine Lehnsburg geriet in Gefahr, wenn sie angegriffen wurde. Für den Fall der Beschädigung oder Zerstörung der Burg regelten jedoch zahlreiche Bestimmungen in den Offenhausverträgen den Schadensersatz. Öffnungen waren nicht nur bei Lehns- und Pfandburgen üblich. Mancher Burgbesitzer stellte seine Eigenburg gegen gute Bezahlung anderen Fehdeherren als Stützpunkt für eine bestimmte Dauer zur Verfügung.

Öffnungsrecht

Rechtsbegriff aus der Burgenkunde

Öffnungsrecht bezeichnet die Pflicht des Inhabers eines befestigten Hauses, dieses im Kriegs- oder Fehdefall einem anderen zu "öffnen", was bedeutet, dass er ihm ein Betretungs- oder militärisches Mitbenutzungsrecht einzuräumen hatte. Objekte des Öffnungsrechts waren Burgen, Schlösser, befestigte Rittergüter und Städte, die mit Mauer, Graben und Zugbrücke ausgestattet waren.

Ohm

Flüssigkeitsmaß

Altes Flüssigkeitsmaß (lat. ama = Eimer, auch Ahm oder Aaam) zwischen 134 und 175 Liter. Vier Ohm ergaben den Markgräfler Fasstyp Vierlig (Vierling). Im Großherzogtum Hessen des 19. Jahrhunderts hatte die Ohm = 20 Viertel = 80 Maß.

Für Rheinhessen
Unter Ohm verstand man im Rheinhessischen Einheiten von 155 +/- 20 l.
Auf ein Ohm gingen 20 Viertel, auf ein Viertel 4 Maß, auf ein Maß 4 Schoppen. Im Kleinhandel konnte das Ohm auch in 100 Maß geteilt werden.
Die rheinhessichen Ohm waren im Grund Pferdelasteinheiten. Das Mainzer Ohm und der Basler Saum stimmten praktisch überein (rd. 136 l).

 

Onager

Mittelalterlicher Schussapparat (Torsionsgeschütz)

Das bekannteste Torsionsgeschütz ist der in der römischen Kaiserzeit entwickelte Onager. Innerhalb einer hölzernen Rahmenkonstruktion steckte ein Wurfarm mit seinem unteren Ende in einem zusammengedrehten Strang aus Tauwerken, Sehnen oder Haaren. Dieser Strang war doppelläufig gedreht und horizontal im unteren Teil der Rahmenkonstruktion befestigt. Die starke Wicklung erzeugte bereits in der Ruhestellung eine latente Spannung (Vorspannung). Zum Wurf zog man nun den Wurfarm gegen die Vorspannung mit einer Winde zurück und arretierte ihn mit einer Sperre. Ein Felsbrocken oder Brandsatz wurde in die Schlinge am Ende des Wurfarms gelegt. Bei der Auslösung schnellte der Wurfarm mit großer Beschleunigung in seine Ausgangslage zurück und schleuderte das Geschoß fort. Der Wurfarm des Onager legte nur einen kurzen Weg zurück bis er an das Widerlager prallte, das aus Seilen bzw. einem Polster aus Heu oder Haaren bestand. Mit einem Onager konnte man, je nachdem wie lang der Wurfarm und wie schwer das Geschoß war, zwischen 100 und 350 Meter weit werfen.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

(Text: Stefan Grathoff)

oppidum

lat. mit der Bedeutung "umfriedigter Boden" zu übersetzen. in einem engeren Sinn bezeichnet oppidum den festen Sitz oder den festen Platz, insbesondere die Stadt (oft in Abgrenzung zur Burg).

Orangerie

(frz.) Nach seiner ursprünglichen Verwendung als Gewächshaus zur Zucht von Orangen benanntes Gebäude, das um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Deutschland aufkam. Als repräsentative Bauwerke bildeten die Orangerien einen wichtigen Bestandteil der barocken Schloß- und Parkanlagen.

Orden

(Glaubens-)Gemeinschaft

Ein Orden (lat. ,Ordnung', ,Stand') ist eine Gemeinschaft von Personen, die sich einer christlich begründeten Lebensform unterworfen haben und diese gemeinschaftlich leben. Streng genommen sind Orden nur diejenigen mit feierlichen Gelübden, im allgemeinen Sprachgebrauch werden jedoch auch Kongregationen als Orden bezeichnet. Die Gelübde umfassen Gehorsam, Keuschheit und Armut.

Ornamente

(lat. ornare - schmücken), Verzierungsmotiv, schmückende Einzelform. Die Gesamtheit aller Schmuckformen an einem zusammenhängenden Kunstobjekt, eines Raumes, einer Fassade heißt Dekoration, die Summe alle Ornamente innerhalb eines bestimmten Kunstkreises Ornamentik, z.B. Renaissance-Ornamentik. Das Ornament dient zum Schmuck = schmückendes Ornament (z.B. Rocaille, Maskaron) oder zur Gliederung = gliederndes Ornament (z.B. Lisene, Maßwerk). Die Übergänge fließen, denn ein schmückender Fries kann zugleich die Fläche gliedern.
Hauptformen des Ornaments sind:
1. geometrisches Ornament, mit Zirkel und Lineal konstruiert, z.B. Zackenfries, Mäander;
2. vegetabilisches oder pflanzliches Ornament, z.B. Knospenkapitell, Akanthusblatt;
3. Tier-Ornament, z.B. Bukranionfries;
4. Ornament aus menschlichen Formen, z.B. Figurenkapitell.

Ortsgericht

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Recht im Mittelalter.

Ostensorium

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Monstranz.

Ottonen

Herrschergeschlecht, auch Liudolfinger bzw. Ludolfinger genannt

Die Liudolfinger, auch Ludolfinger oder Ottonen genannt, sind ein sächsisches Adels- und deutsches Herrschergeschlecht. Begründet wurde es von dem Grafen Liudolf (gest. 866). Sie nahmen in der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts eine führende Stellung im Osten Sachsens ein. Die Söhne des Grafen Liudolf, Brun und Otto, erlangten die Herzogswürde. Sein Enkel Heinrich I. wurde 919 deutscher König. Mit Otto I. wurde 962 ein Liudolfinger als erster deutscher König in Rom zum Kaiser gekrönt. Die weiteren Liudolfinger regierten von Otto I. bis zum Tod Heinrichs II. (gest. 1024) für ein Jahrhundert das Heiloge Römische Reich. Mit dem Tod Heinrichs II. starb das Haus in männlicher Linie aus.

Ottonische Baukunst

Die Kunst zur Zeit der ottonischen Könige, die zwischen 919 (Heinrich I.) und 1024 (Heinrich II. den deutschen Königsthron einnahmen. Es ist die Stilepoche zwischen karolingischer Kunst ("karolingischer Renaissance") und der Romanik. Der berühmteste Vertreter des ottonischen Herrschergeschlechtes war Kaiser Otto I. In der Ottonik wurden spätantike, byzantinische und karolingische Traditionen verarbeitet, die Grundzüge der nachfolgenden Romanik bildeten sich heraus. Ein gutes Beispiel für die ottonische Baukunst ist die Stiftskirche St. Cyriacus in Gernrode.